Sport : „Da oben lernt man Zähigkeit“

Bergsteiger Kammerlander über Fußball in der Höhe

Herr Kammerlander, Sie haben 2500 Bergtouren gemacht, waren auch auf dem Mount Everest. Wie gut kennen Sie die Zugspitze?

Ich war fünfmal dort oben, das erste Mal vor zwanzig Jahren, als ich in der Gegend Ski gefahren bin. Sportlich bietet die Zugspitze durchaus Herausforderungen: nicht so sehr beim normalen Weg hinauf, da braucht es nur Kondition. Aber spannend wird es, wenn man über den Jubiläumsgrat, die Verbindung zum Hochblassen-Berg, geht.

Dass Bundestrainer Joachim Löw den EM-Kader dort oben nominiert, soll Symbolwert haben, durch die Nähe zu den Gastgeberländern.

Man muss sich die Zugspitze vorstellen wie den Fernsehturm einer Stadt, ein hervorragender Aussichtspunkt. Wollte man alle Berge aufzählen, die man von ihr aus sieht, würde man einen ganzen Monat lang Gipfel aufzählen. Die Zillertaler Alpen zum Beispiel sieht man toll, das bedeutet mir persönlich viel. In diese Berge bin ich damals als Bub mit dem Fahrrad hineingefahren und habe meine ersten Touren gemacht.

Was ist die eindrücklichste Lektion für jemanden, der Berge besteigt?

Man lernt Zähigkeit, dass das Weitergehen immer besser ist. Zuletzt war ich auf dem Jasemba in Nepal, 7350 Meter hoch und bislang unbestiegen. Mit diesem Berg war ich drei Jahre beschäftigt. Im zweiten Jahr ist einer meiner besten Freunde, Lois Brugger, tödlich verunglückt, als wir versuchten aufzusteigen. Ein Jahr später bin ich dann wieder hin, alleine, und habe den Berg erklommen. Zu lange darf man nach so einer schmerzlichen Erfahrung nicht zögern, sonst findet man den Anfang nicht mehr.

Begibt man sich denn mit jedem Aufstieg in Gefahr?

Das Risiko ist jedenfalls höher, als wenn man nur einen Ball hin- und herrollt, das ist klar.

Gibt es Parallelen zwischen dem Bergsteigen und dem Fußballspielen?

In nur wenigen anderen Sportarten trifft man solche Einzelgänger wie unter den Alpinisten. Wäre ein Fußballer so ein Einzelgänger, wäre er kein guter Spieler mehr. Auch leben wir Bergsteiger anders, vornehmlich in der Natur, eine stille, schöne, wenn auch gefährliche Welt. Fußballer sind dagegen mitten im Rummel, wie im goldenen Käfig. Mir gefiele das nicht, obwohl ich den Sport sehr gern anschaue. Ehrgeizig müssen beide sein: Da oben nominiert zu werden, ist sicherlich so, als wenn der Alpinist den höchsten Berg erklimmt.

Würde es den Fußballern gut tun, selbst mal auf die Zugspitze zu gehen?

Als Alpinist finde ich die ganze Sache natürlich ein wenig an den Haaren herbeigezogen: die Zugspitze als Veranstaltungsort. Denn was interessiert den durchschnittlichen Fußballspieler schon am höchsten Berg? Anders wäre es, wenn die Spieler die Zugspitze zu Fuß hochgingen. Denn eines ist klar: Will man den Berg wirklich erleben, muss man die Bergbahn meiden .

Das Gespräch führte Verena F. Hasel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar