Sport : „Da schwingt das Dunkle des Dschungels mit“

Funny van Dannen über seine Uruguay-Hommage und den Traum, Fußballprofi zu werden

Herr van Dannen, Sie singen „Ich denk oft an Uruguay“. Warum diese Faszination?

Wie im Lied gesagt, beruht sie vor allem auf dem Wort selbst – das hat mich immer schon fasziniert. Es klang anders als alle Ländernamen. U-ru-guay! Diese dunklen Vokale – da schwingt das Dunkel des Dschungels mit. Mittlerweile weiß ich, dass der Name übersetzt „Fluss der bemalten Vögel“ heißt. Das ist natürlich ganz toll!

Also ein rein lautmalerisches Interesse?

Das geht wohl auch auf Kindheitserinnerungen zurück. Ich kann mich noch an das WM-Spiel 1966 erinnern, als Horacio Troche Uwe Seeler eine gescheuert hat. Der wechselte dann in unsere Gegend, zu Alemannia Aachen, es kam zu einer großen Versöhnungsgeste mit Blumenstrauß. Als später die Zeit der Videospiele losging, nahm ich immer Uruguay. Meistens habe ich mir haushohe Niederlagen eingefangen (lacht).

Haben Sie schon über eine Übersetzung ins Spanische nachgedacht?

Nein, es geht ja auch gar nicht so sehr um das Land selbst. Eine Lobeshymne ist es auch nicht, ich spreche in dem Lied ja die schlechte Entwicklung im Fußball an. Wer weiß: Vielleicht muss ich die Passage ja jetzt umschreiben ...

Haben Sie schon eine Alternative im Kopf? Uruguay steht im Halbfinale.

Hm, na, mal überlegen. Irgendetwas im Sinne von „im Fußball sindse jetzt ja wieder ganz gut“ und dann etwas, das sich darauf reimt ... Aber auch dieses Mal waren sie noch nicht so großartig. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Uruguay gegen Holland rausfliegt.

Für Sie ist es auch so ein besonderes Spiel.

Stimmt, meine Mutter ist Niederländerin, und ich komme aus einem Gebiet, das eigentlich deutsch war, nach dem Krieg aber bis 1963 an Holland fiel.

Stimmt es, dass Sie selbst fußballerische Ambitionen hatten?

Ach ja, bis ich 17, 18 war. Als es mit der Kunst anfing, nahm das Interesse ab.

Ihre Karriere soll an einer Ablösesumme gescheitert sein.

Eine dämliche Geschichte. Fortuna Sittard wollte mich für 3000 Gulden abwerben. Das war meinem Dorfklub zu wenig. Ich lag monatelang auf Eis und habe schließlich aufgehört.

Verspüren Sie Wehmut deswegen?

Ich bereue das eigentlich nicht. Nur manchmal, wenn ich diese schönen Stadien im Fernsehen sehe ... (seufzt).

Auf welcher Position spielten Sie?

Im Grunde immer Libero, den gab es ja damals noch. Ich wurde dann aber immer offensiver und sah mich eigentlich als offensiven Mittelfeldspieler.

Was sagen Sie zu Bastian Schweinsteiger?

Super, was der spielt. Hätte ich ihm, ehrlich gesagt, nicht zugetraut. Ich fand ihn immer etwas lahmarschig und trantütig. Aber jetzt bei der WM ist er ganz toll und dominant. Mein Lieblingsspieler wird er aber nicht mehr.

Nein?

Nein, ich bin da Özil näher. Wegen der spielerischen Eleganz. Er hat dieses Leichte, wie früher Johan Cruyff.

1974 waren Sie also für Holland?

Damals schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Ich hatte noch die deutsche Elf von 1972 im Kopf, aber den schönen Fußball spielten die Holländer. Wer weiß, vielleicht ist es ja jetzt umgekehrt: Deutschland spielt den schönsten Fußball, Holland wird Weltmeister.

Und wenn Deutschland Weltmeister wird – schreiben Sie eine Ode an das DFB-Team?

Tja, das könnte gut sein. Sie haben ja jetzt schon so toll gespielt, da könnte man ja mal ein Lied daraus machen.

Interview: Johannes Ehrmann

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