Sport : Dabei sein ist nicht alles

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Robert Ide über die Gewalt

gegen Olympia in Frankfurt am Main

Ein Volksfest am Hamburger Hafen; ein Ereignis, das die RheinRuhr-Region eint; ein Spektakel, das Leipzig den Aufschwung bringt – das sollte Olympia 2012 in Deutschland sein. Doch nun wird die positive Stimmung, die sich in den Bewerberstädten verbreitet hat, verdrängt: von einem Anschlag auf den Sport. Unbekannte haben in der Zentrale des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Frankfurt am Main randaliert und „NOlympia“ an die Wand geschmiert. Man könnte das als Blödsinn einiger Militanter abtun oder „mit Abscheu“ zurückweisen, wie das Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth getan hat. Man könnte aber auch fragen: Wer ist mit der Tat gemeint? Der deutsche Sport insgesamt oder die Stadt Frankfurt, die sich um die Spiele bewirbt?

Erinnern wir uns an den gescheiterten Anlauf für Berlin 2000. Deutschland bekam die Spiele nicht, weil es viele militante Gegner gab. Aber auch, weil die Bewerbung dilettantisch war. Und weil die Bevölkerung nicht eingebunden wurde. Eine Bevölkerung, die in den Neunzigerjahren mit gewaltigen Umbrüchen kämpfte und deshalb wenig Sinn für pompöse Veranstaltungen hatte.

Auch heute ist ein Ereignis, das zunächst Milliarden kostet, schwer zu vermitteln. Besonders in Städten, in denen die Politik aus Finanznot Kindergärten und Schwimmhallen schließt. Heute muss Olympia nachhaltig sein – umweltfreundlich, im Einklang mit der Bevölkerung, mit einem bleibenden Gewinn für die austragende Stadt.

In Frankfurt gibt es vergleichsweise viele Proteste gegen die Spiele. Das heißt nicht, dass die Bewerbung schlecht ist. Es heißt nur, dass wirkliche Begeisterung für Olympia in Großstädten nicht zu verordnen ist. Das NOK sollte das berücksichtigen, wenn es am 12. April den deutschen Kandidaten auswählt.

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