Sport : Dabei sein ist schon viel

Weltmeisterin Franka Dietzsch startet beim Istaf – für eine Diskuswerferin hat so ein Auftritt immer noch eine besondere Bedeutung

Friedhard Teuffel

Berlin - Als Weltmeisterin kommt Franka Dietzsch auch zu besonderen Ehren. Sie wird seit ein paar Jahren von einem Hersteller von Infrarotkabinen unterstützt. Eine davon hat sie sich auch schon ins Bad stellen lassen und setzt sich manchmal dort hinein, um sich bei Tiefenwärme zu entspannen. Die Kabine ist groß genug für sie und ihren Freund, „wir beiden dicken Dinger passen da gerade so rein“, sagt sie. Als sie von der Leichtathletik-WM aus Helsinki mit Gold im Diskuswerfen zurückkam, hat sie der Geschäftsführer der Infrarotkabinenfirma angerufen und ihr mitgeteilt: Das nächste Kabinenmodell wird ihren Namen tragen.

Ein bisschen mehr noch dürfte sie eine Nachricht von den Veranstaltern des Istaf gefreut haben: Sie darf mitmachen am Sonntag im Olympiastadion. Das Diskuswerfen haben die Veranstalter während der WM in Helsinki schnell noch ins Programm aufgenommen. Was wäre das bedeutendste deutsche Leichtathletik-Meeting ohne die einzige deutsche Weltmeisterin? Zum letzten Mal durfte Dietzsch 1999 beim Istaf starten, da war sie in Sevilla ebenfalls Weltmeisterin geworden. Sie hat genug mitgemacht, um zu wissen, dass sie nur mit Siegen Einlass findet in die besten Kreise der Leichtathletik. „Schade, dass man dafür Weltmeisterin werden muss“, sagt sie. Eigentlich wären beim Istaf auch die Speerwerferinnen dabei gewesen, Franka Dietzsch hat sie sozusagen rausgeworfen. Diskuswerfen der Frauen gehört nicht zu den Lieblingskindern der Leichtathletik. Bei den Deutschen Meisterschaften im Juni in Wattenscheid hatten die Stadionsprecher das Publikum erst kurz vor Schluss auf die Werferinnen aufmerksam gemacht. „Wenn das so läuft, fahre ich beim nächsten Mal nicht hin“, sagt Dietzsch.

Als Weltmeisterin kann sie nun immerhin ein paar Forderungen stellen. Eine ist, im nächsten Sommer endlich bei der Gala des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) dabei zu sein. „Das hat mich immer gewurmt, dass ich dort nie werfen durfte“, sagt sie. Eine andere ist, wieder in den A-Kader des DLV aufgenommen zu werden. „Da kommt der Verband wohl jetzt nicht umhin.“ Ihr Erfolg von Helsinki ist schließlich die Bestätigung dafür, dass auch im fortgeschrittenen Alter noch größte Erfolge möglich sind. 37 Jahre ist Dietzsch jetzt alt. „Ich frage mich manchmal selbst, warum mir so wenig weh tut.“

Mit ihrem Trainer Dieter Kollark hat sie aber einiges dafür getan, um bei guter Gesundheit zu bleiben. Auch im Sommer trainiert sie fast nur in der Halle, wirft gegen Matten und Netze, um sich nicht unnötig über zu kurze Würfe aufzuregen, und dreht sich auf Parkettboden, nicht auf dem Beton des Wurfrings. Das schont ihre Gelenke. So ist sie die einzige Werferin, die mehr als zwanzig Jahre lang über 60 Meter wirft, und vielleicht entschließt sie sich sogar noch zu einem Start bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Über ihren zweiten WM-Titel sagt Dietzsch: „Für mich ist es das Größte.“ Einen schönen Termin hat sie noch vor sich: mit Mutter und Schwester in ihrem Heimatort Koserow auf Usedom zu feiern. Das will sie in ein paar Tagen nachholen, wenn die Saison mit dem Grand-Prix-Finale in Monaco beendet ist. Bisher genießt Dietzsch ihren Erfolg auf eine andere Weise. An ihrem Arbeitsplatz, einem Callcenter der Sparkasse Neubrandenburg, sage sie nun ein wenig schneller: „Sie sprechen mit Frau Dietzsch.“ Sie wolle nicht jeden darauf stoßen, eine Weltmeisterin am Apparat zu haben.

Manches werde sich auch jetzt nicht ändern, sagt sie. Sie erwartet nicht, von Sponsorenanfragen überschüttet zu werden. „Da spielt das Aussehen auch eine Rolle. Wenn ich Bianca Kappler wäre, dann sähe die Sache wohl anders aus. Ich finde die auch sehr attraktiv“, sagt sie über ihre zierliche Kollegin vom Weitsprung. „Manches gleiche ich dafür vielleicht ein bisschen durch meine Art aus“, sagt Dietzsch, „das hat man mir mal so gesagt.“

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