Sport : Dada um Dede

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Stefan Hermanns über einen Vorschlag und seine Folgen

Die moderne Mediengesellschaft bringt gelegentlich seltsame Phänomene hervor. Eines der seltsamsten ist, dass sich die Vermittler der Wirklichkeit nicht mit der Vermittlung der Wirklichkeit begnügen, sondern gelegentlich berufen fühlen, lenkend in den Lauf der Dinge einzugreifen. Steffen Simon, Sportreporter vom ORB, hat sich am vergangenen Wochenende nicht ganz entscheiden können, ob er nur Journalist sein will oder Bundestrainer oder Bundesinnenminister. Oder gleich alles zusammen. In seiner Eigenschaft als Journalist hat Simon beim Länderspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Bosnien seine bundestrainerlichen Gedanken verbreitet, dass die Position des Linksverteidigers nicht optimal besetzt sei und dass er jetzt wiederum als Bundesinnenminister am liebsten gleich den Brasilianer Dede von Borussia Dortmund einbürgern würde.

Das Seltsame in der modernen Mediengesellschaft ist, dass solche im Fernsehen geäußerten Gedanken eine ungeahnte Dynamik erhalten. Inzwischen scheint es schon gar kein Thema mehr zu sein, ob Dede deutscher Nationalspieler wird, sondern nur noch wann. Der Einwand vom echten Teamchef Rudi Völler, dass ein deutscher Nationalspieler schon noch ein ganz kleines bisschen mit Deutschland zu tun haben sollte, wird daher bald auch keine Rolle mehr spielen. Man kann es schließlich auch umgekehrt sehen: Ein ganz klein bisschen mit Deutschland zu tun zu haben, garantiert noch lange keine erfolgreiche Nationalmannschaftskarriere. Paulo Rink, wie Dede Brasilianer, hatte einen deutschen Urgroßvater. Für die Nationalelf spielt er schon lange nicht mehr. Bei Sean Dundee, gebürtiger Südafrikaner, hat sich die Einbürgerung auch nicht gelohnt. Eine Einladung vom Teamchef bekam er nicht. Dafür die Einberufung zur Bundeswehr. Zwei Wochen nach seiner Einbürgerung.

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