Sport : Dämmerung in der Doppelspitze

Robert Ide

über den Machtverfall des DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder Es ist es nur eine kleine Personalie, sie lässt sich in einem Satz erzählen: Der Mediendirektor Gerhard Meier-Röhn verlässt den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Doch hinter diesem Satz steckt eine große Geschichte. Sie erzählt von einem Mann, der einmal mächtig war, fast allmächtig, ein Mann, der jede Affäre zu überstehen schien, irgendwann aber zur Teilung der Macht gezwungen wurde. Es ist die Geschichte von Gerhard Mayer-Vorfelder, dem 72 Jahre alten DFB-Präsidenten.

In der Doppelspitze hat er nur die halbe Macht, und selbst die schwindet von Woche zu Woche. Bei der Aufklärung des Wettskandals drängte ihn sein fleißiger Präsidenten-Partner Theo Zwanziger in den Hintergrund. Mayer- Vorfelder wurde immer seltener in der Frankfurter DFB-Zentrale gesehen. Sein Einfluss beschränkte sich mehr und mehr auf seine internationalen Kontakte.

Doch selbst auf diesem Feld kann sich der einst Allmächtige nicht mehr sicher fühlen. Vor einer Woche wurde er von der Ankündigung überrascht, dass Franz Beckenbauer im Januar 2007 als Präsident des europäischen Fußball-Verbandes Uefa kandidieren soll. Sollte der WM-Cheforganisator tatsächlich gewählt werden, könnte Mayer-Vorfelder nicht mehr sein eigentlich bis 2008 geltendes Mandat wahrnehmen – denn in der Uefa-Führung darf pro Nation nur ein Vertreter sitzen. Die Verlängerung von Mayer-Vorfelders Amtszeit im Weltverband Fifa stünde ebenfalls in Frage. Der Ausweg in den internationalen Fußball wäre dann abgeschnitten.

Was die kleine Personalie Meier-Röhn damit zu tun hat? Der scheidende Mediendirektor war einer der letzten Vertrauten von Gerhard Mayer-Vorfelder; nun verlässt auch er die DFB-Zentrale. Es ist eine große Geschichte. Sie ist noch nicht zu Ende.

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