Sport : Damals, kurz vor der Champions League

TeBe empfängt St. Pauli und wird an alte Ambitionen erinnert

NAME

Von Claus Vetter

Berlin. Es war einmal in Charlottenburg. Genauer gesagt, vor einer Fußball-Ewigkeit, am 12. September 1999 im Mommsenstadion. Damals empfing der Berliner Fußball-Zweitligist Tennis Borussia den FC St. Pauli, und die Rollen waren deutlich verteilt. TeBe, ein Klub mit lautstark postulierten Aufstiegsambitionen und Träumen von der Champions League, war der große Favorit, St. Pauli krasser Außenseiter. Drei Jahre später kommt es heute (Spielbeginn 19.30 Uhr) nun an gleicher Stätte im DFB-Pokal zu einem Wiedersehen beider Mannschaften. Freilich mit ganz anderen Vorzeichen als damals: Bundesligaabsteiger St. Pauli hat die inzwischen in die Viertklassigkeit abgerutschten Berliner als Aufbaugegner eingeplant. Nach drei Niederlagen in Folge wollen die Hamburger in Berlin etwas fürs Selbstbewusstsein tun.

Was nach dem bis dato letzten Spiel gegen St. Pauli mit den Tennis Borussen passierte, ist bekannt. Obwohl Tennis Borussia sportlich noch gerade so den Klassenerhalt geschafft hatte, wurde den Berlinern am Ende der Saison 1999/2000 wegen undurchsichtigen Geschäftsgebarens ihres damaligen Sponsors, der Göttinger Gruppe, die Zweitliga-Lizenz entzogen. Nach dem anschließenden Abstieg aus der Regionalliga kickt Tennis Borussia nunmehr im zweiten Jahr in der Oberliga.

Funktionäre, die wie damals von großen Spielen in der Champions League schwadronieren, gibt es rund um das Mommsenstadion nicht mehr. Wenn schon geträumt wird, dann ein paar Kategorien kleiner. „Vielleicht schaffen wir Mittwoch die Sensation und bekommen in der zweiten Runde dann wieder einen guten Gegner", sagt Trainer Peter Ränke und denkt doch nicht daran, in den bei TeBe einst hochmütigen Ton zurückzufallen: „St. Pauli hat in der Zweiten Liga keinen guten Start hingelegt und auch schon einen Trainerwechsel hinter sich. Aber das ist noch lange kein Grund zu glauben, dass die den Pokal an sich vorbeirauschen lassen werden. Natürlich ist St. Pauli Favorit."

Ihr letztes Heimspiel am 12. September 1999 gewannen die Borussen gegen St. Pauli übrigens mit 2:0. Damals, als TeBe mit seiner Großmannssucht der wohl unbeliebteste Profiklub in ganz Deutschland war. Vor dem Pokalspiel wurde die Erinnerung an diese Zeit noch einmal wach – und das nicht nur, weil es wieder gegen St. Pauli geht. Erwin Zacharias wurde verhaftet. Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von TeBe und Chef der Göttinger Gruppe steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben