Sport : Damit sie gucken können

Sina Schielke fördert den Rummel und wendet sich zugleich dagegen

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Von Frank Bachner

München. Sina Schielke sitzt da, sie hat diesen entschlossenen Blick, und sie sagt: „Ich kann mit dem Rummel um meine Person nichts anfangen. Und wenn ihr schon schreibt, dann möchte ich, dass ihr über meinen Sport schreibt.“ Das kann man jetzt als rührend naiv interpretieren. Oder als kühl kalkuliert. Oder doch als ehrliche Sicht der Dinge? Bei Sina Schielke weiß man nicht so genau, was nun genau stimmt. Eein Mix aus Inszenierung und Ehrlichkeit kommt der Wahrheit wohl am nächsten.

Natürlich nervt es, wenn sie die 100 m in 11,16 Sekunden und damit deutsche Jahresbestzeit läuft („so schnell war in Deutschland ewig keine mehr"), und trotzdem alles nur über ihr Bauchnabel-Piercing, die drei eintätowierten chinesischen Zeichen auf dem Rücken und das schöne Gesicht redet. „Da zeigt man tolle Leistungen und wird auf das Weibliche reduziert“, sagt die Sportlerin Schielke, 21, LG Olympia Dortmund, 1999 Junioren-Europameisterin über 100 m, 2002 Deutsche Meisterin über 100 m. Heute bestreitet sie bei der EM den Zwischenlauf über 100 m, morgen will sie im Endlauf stehen, das ist ihr Ziel. Und dann will sie mit der 4-x-100-m-Staffel eine Medaille gewinnen.

Schnell, schön, gut gesponsert

Andererseits verdient Sina Schielke sehr viel Geld mit ihrem Aussehen. „125 000 Euro im Jahr bekommt sie allein über Sponsorengelder, davon können andere nur träumen“, sagte ein PR-Experte, der wissen muss, schon im vergangenen Jahr. Inzwischen dürfte sich die Summe noch erhöht haben. Denn Sina Schielke ist die ideale Kandidatin für einen Medien-Star. Sie ist attraktiv, startet in einer olympischen Kernsportart und dort in einer der populärsten Disziplinen. Die Boulevardpresse baut sie zur schnellen Schönen auf, und die Sponsoren haben ein neues Gesicht entdeckt. „Bild“ kürte Sina Schielke zur zweiterotischsten Frau Deutschlands nach dem Model Heidi Klum. Und Sina Schielke macht dieses Spiel natürlich auch mit, sie hat ja mit Werner Köster einen sehr erfahrenen Profi als Manager. Werner Köster hat früher Franziska van Almsick betreut.

Als Sina Schielke sich bei den Deutschen Meisterschaften, einen Tag nach ihrem 100-m-Sieg und kurz vor dem Start zum 200-m-Lauf am Oberschenkel verletzte, fiel sie anschließend erst mal vier Wochen mehr oder weniger aus. Sie musste sich wieder heranarbeiten, und die Sportlerin Schielke wollte ihre Ruhe haben. Aber die Werbefigur Schielke bestellte die Fotografen und Journalisten in den Kraftraum, „damit sie gucken konnten". Ganz abtauchen, das schafft sie nicht. Das wollen natürlich auch Köster und die Sponsoren nicht. Schließlich hängen Schielke-Fotos in den Sportshops ihres Sponsors in New York, Los Angeles, San Francisco, Boston und Paris.

Und natürlich wurde längst der Vergleich mit einer anderen Schönheit im Sport gezogen: Sina Schielke, die Anna Kurnikowa der Leichtathletik. Die Russin Kurnikowa gilt als das schönste Gesicht des Tennis und inszeniert sich gern als Tennis-Model. Leider aber hat die Russin noch nie ein Einzelturnier gewonnen. Und deshalb passt auch der Vergleich. Denn Sina Schielke hat auch noch keinen bedeutsamen Titel. Aber sie ist ja noch jung. Dass sie in München im 100-m-Fnale auf einen Medaillenplatz kommt, das ist nach der Verletzungspause fast ausgeschlossen. Sie spekuliert auf die Staffel. Vielleicht holt die ja Gold. Aber in die Staffel kommt Sina Schielke nur, wenn sie zumindest ins 100-m-Finale läuft. In 11,53 Sekunden qualifizierte sie sich gestern für das Halbfinale.

Die Kurnikowa der Leichtathletik

Der Vergleich mit Anna Kurnikowa ist natürlich ein bisschen auch als Spott und Häme gemeint. Und Sina Schielke könnte diesen Vergleich ja jetzt empört zurückweisen, wenn es ihr wirklich nur um Leistung und nicht auch ums Aussehen ginge. Aber sie sagte in einem Interview mit der Münchener „Abendzeitung“ dazu bloß: „Was ist denn daran schlimm, was Anna macht? Ich glaube nicht, dass die Leute, die Anna kritisieren, sagen würden: Nein, behalten Sie Ihre Millionen, wenn man denen selber das Geld anbieten würde." Das würden diese Leute bestimmt nicht machen. Aber konsequenterweise kritisiert man dann auch nicht den Rummel, den man mit der Annahme dieser Millionen auslöst.

Die Bitte, vor allem über ihren Sport zu schreiben und nicht über die Werbefigur Schielke, bringt die Sprinterin im Übrigen in der entsprechenden Umgebung hervor. Im Studio ihres Sponsors.

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