Sport : Damon Hill: "Allen Fahrern einen Minardi geben"

TAGESSPIEGEL: Ihr Jordan-Team scheint in Monaco bisher nicht vom Glück verfolgt zu sein.Was ist passiert?

HILL: Ich hatte am Freitag Morgen einen Unfall und verlor so das ganze erste Training.Am Nachmittag konnte ich zwar einige Runden fahren, bekam dann jedoch ein Getriebeproblem.Bei meinem Teamkollegen Ralf Schumacher war es der Motor, mit dem etwas nicht stimmte.Als Team sind also viel zu wenig Runden gefahren, und diese waren dann nicht sehr schnell.

TAGESSPIEGEL: Das WM-Konto von Jordan ist ohnehin noch leer ...

HILL: Stimmt, wir sind einfach noch nicht konkurrenzfähig.Wir hatten in Imola und in Barcelona Motorprobleme, aber wir wären sowieso nicht in den Punkten gewesen.

TAGESSPIEGEL: Wie kann Besserung erfolgen?

HILL: Wenn ich das wüßte, wären wir nicht da, wo wir sind.

TAGESSPIEGEL: Sehen Sie denn Licht am Ende des Tunnels?

HILL: Ja, ich bin Optimist und ich glaube, daß Jordan ein sehr gutes Team ist.Das Auto ist vom technischen Standpunkt her sehr gut und es ist gut gebaut.Was wir nun besser verstehen müssen, ist, wie wir das richtige Set-Up finden und mehr Grip erreichen können.Das ist es im Prinzip, was uns fehlt, um schneller zu sein.

TAGESSPIEGEL: Wie fährt sich ein Auto der neuen Generation in Monaco?

HILL: Es scheint etwas einfacher zu sein, um die Loews-Haarnadelkurve zu kommen, wohl weil die Autos etwas schmaler sind.Aber sonst ist es eigentlich nicht anders als früher.Ich bin mir eigentlich gar nicht mehr bewußt, daß ich ein schmaleres Auto fahre, oder eines mit Rillenreifen.

TAGESSPIEGEL: Was glauben Sie, warum Michael Schumacher in Monaco so gut ist?

HILL: Man muß ihm nur zuschauen, wie er hier fährt, um zu sehen warum.Ich habe ihm zugesehen und es ist phantastisch, was er mit dem Auto machen kann.Er ist früh auf dem Gas und driftet bis an die Leitplanken.Er hat immer alles unter Kontrolle.

TAGESSPIEGEL: Was erwarten Sie selbst vom Rennen am Sonntag?

HILL: Wir hoffen natürlich, daß wir Samstag früh das Training voll ausnützen können.Das Ziel für das Qualifying ist, unter die ersten sechs zu kommen.Wenn wir das schaffen, hoffen wir auch auf Punkte im Rennen.

TAGESSPIEGEL: Wie könnte man die Formel 1 für den Zuschauer spannender machen? Etwa Tankstops verbieten oder die Reifenwahl völlig freistellen?

HILL: Das wäre sicher eine Möglichkeit.Ich habe die Formel 1 eigentlich erst seit Mitte der 80er Jahre verfolgt.Da gab es noch die Turbomotoren.Für mich hat damals die Faszination darin bestanden, daß vielleicht zwanzig Runden vor Schluß einer mit 30 Sekunden Vorsprung geführt hat.Plötzlich war da ein anderer Fahrer der unglaublich aufholte.Und es gab doch noch ein spannendes Finish.Das kann aber nur sein, wenn man die Möglichkeit hat, die Autos während des Rennens mehr zu variieren.So wie es im Moment ist, fahren die Autos immer nur in allerbestem Zustand: das optimale Limit der Reifen, das optimale Limit des Sprits.So gibt es keinen Spielraum für Variationen.Man braucht sich nicht um die Haltbarkeit der Reifen kümmern, oder darum, ob man genug Benzin hat.Darum hat man nach fünf oder sechs Runden eine ziemlich eingefahrene Reihenfolge.Eine Möglichkeit wäre, allen Fahrern einen Minardi zu geben.Tut mir leid, Minardi, war nicht so gemeint.

TAGESSPIEGEL: Wenn Sie sich die siegenden McLaren-Mercedes anschauen, fangen Sie dann nicht an, Ihre Entscheidung, zu Jordan gegangen zu sein, zu bereuen?

HILL: Anfangen ist nicht das richtige Wort.

TAGESSPIEGEL: Das heißt, Sie bereuen es?

HILL: Ich glaube, es ist falsch, auf eine Situation mit Reue zu reagieren.Ich kenne meine Situation, und ich kannte sie, als ich meine Entscheidung getroffen habe.

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