Sport : Daneben

Bayern verpasst durch das 0:0 gegen Nürnberg den Sprung an die Spitze

Daniel Pontzen[München]

Nach dem Duschen hatte Roy Makaay sein Lachen wiedergefunden. Die Geschehnisse jener 48. Minute im gestrigen torlosen Spitzenspiel der Bundesliga zwischen Bayern München und dem 1.FC Nürnberg werden den Niederländer vermutlich sein gesamtes Stürmerleben verfolgen; ihm war etwas wiederfahren, was sich im Wertesystem eines Angreifers wohl nur als Vollkatastrophe bezeichnen lässt.

Dabei hatte Roy Makaay zunächst alles richtig gemacht: Der Münchner hatte das Anspiel von Bastian Schweinsteiger geschickt angenommen und dann mit einem eleganten Dribbling Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer ins Leere greifen lassen. Doch als ihn nur noch wenige Meter von der Torlinie trennten, als kein Gegenspieler mehr eingreifen konnte, als der Mann, der für die Stadionregie zuständig ist, bereits den Finger auf den Knopf für die Tor-Musik gelegt hatte (und ihn Sekunden später auch drückte), da versagte plötzlich der Zentralchip und sämtliche sonstigen Ressourcen von Roy Makaay, die gewöhnlich ausschließlich aufs Toreschießen programmiert sind. Makaay tat das scheinbar Unmögliche: Er setzte den Ball am leeren Kasten vorbei.

„Ich werde mir das jetzt nicht 200 Mal in Zeitlupe angucken“, sagte der Stürmer später schmunzelnd, wobei er wohl ahnte, dass ihm diese Szene lange nachgetragen werden wird, egal welche Form der Verarbeitung er wählt. Frank Mill etwa, der Mitte der Achtziger in ähnlich aussichtsreicher Position einst immerhin den Pfosten getroffen hatte, muss sich darob bis heute Spott gefallen lassen.

Dass Makaays Laune am frühen Abend trotzdem wieder familienverträgliche Qualität hatte, lag derweil nicht etwa daran, dass seine Kollegen den Fehler ausgebügelt hätten. Auch die anderen Münchner Chancen, von denen es gerade in der zweiten Halbzeit deutlich mehr gab als auf der Gegenseite, blieben ungenutzt, weshalb am Ende ein aus Münchner Sicht mäßig befriedigendes 0:0 stand. Nürnberg verteidigte durch das Remis vorerst die Tabellenführung.

Freude bereitete Makaay jedoch jene Meldung, die Manager Uli Hoeneß schon vor dem Spiel in Umlauf gebracht hatte: Der holländische Mittelfeldspieler Mark van Bommel, bislang in Diensten des FC Barcelona, wechselt nach München. Sechs Millionen Euro überweisen die Bayern nach eigener Auskunft an die Katalanen, van Bommel soll nach der obligatorischen sportärztlichen Untersuchung kommende Woche einen Dreijahresvertrag unterschreiben und schon beim nächsten Pflichtspiel der Münchner auflaufen. „Er ist genau der Spieler, den wir brauchen“, sagte Hoeneß über den 29-Jährigen. Zu Beginn des gestrigen Spiels schien es, als wollten die Akteure diese Aussage und die Notwendigkeit eines solchen Transfers belegen.

Während die Nürnberger mit einem Selbstverständnis auftraten, als sei ihre Tabellenführung Normalzustand, agierten die Bayern – zunächst erneut ohne Lukas Podolski (siehe 90 Minuten) – fahrig. Die Mittelfeldreihe machte nicht den Eindruck, das durch Michael Ballacks Weggang entstandene Vakuum selbstständig schließen zu können. Es herrschte wenig Struktur im Münchner Spiel, vor allem die Bemühungen des Verteidigerduos Lucio/van Buyten, sich am Aufbau zu beteiligen, erinnerten an englischen Nachkriegsfußball: Konsequent droschen sie den Ball hoch und weit nach vorn. Das Fehlen Owen Hargreaves’, der trotz der Verpflichtung van Bommels nicht nach Manchester wechseln darf (Hoeneß: „Er bleibt, da können Sie Gift drauf nehmen!“), machte sich häufig bemerkbar. Erst in der zweiten Halbzeit gewann Bayern ein wenig Herrschaft über das Spiel, ohne jedoch ein Tor zu erzielen.

Trainer Felix Magath tröstete sich mit der Erkenntnis, „dass wir uns die Kontrolle über diese Partie erarbeitet haben, das ist momentan wichtig für mich zu sehen. Auch wenn wir nicht die volle Ausbeute eingefahren haben.“ Nürnbergs Trainer Hans Meyer, der sich vor allem über eine starke Leistung seines Torwarts Schäfer freuen konnte, war ebenfalls zufrieden. „Dieses Ergebnis passt ganz gut in unsere Gesamtstimmungslage.“

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