Daniel Ricciardo : Einer für die Familie

Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo könnte bei Red Bull der neue Mann neben Sebastian Vettel werden.

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Das Auffälligste an ihm ist sein strahlendes Lachen, seine gute Laune, die Lockerheit, mit der er erzählt, so ganz untypisch für die meisten Formel-1-Piloten der heutigen Generation. Aber genau diese Eigenschaften sind es, neben seinem technischen Talent, die Daniel Ricciardo so gut ins Red-Bull-Team passen lassen würden – als Kollege von Sebastian Vettel. Ein junger Australier aber als Nachfolger eines schon etwas älteren Australiers? Das Alter wäre nicht der einzige Unterschied zwischen Mark Webber, Vettels derzeitigem Kollegen, und Ricciardo, der beim großen Preis von Spanien am heutigen Sonntag (14.00 Uhr, live bei RTL) von Startplatz elf ins Rennen geht. Aber als einer der großen Favoriten gilt, in nicht allzu ferner Zukunft das zweite Cockpit im Weltmeisterteam zu besetzen.

Dass Webber dort 2014 nicht mehr fahren wird, scheint ausgemachte Sache zu sein. Neben Ricciardo, der derzeit noch für das Red-Bull-Nachwuchsteam Toro Rosso fährt, käme auch dessen dortiger Teamkollege Franzose Jean-Eric Vergne in Frage. Ricciardo scheint im Moment aber bei den Verantwortlichen, auch bei Red-Bull-Motorsportkoordinator Helmut Marko, die besseren Karten zu haben. Eine weitere Alternative: einen Top-Star verpflichten. Kimi Räikkönen wurde schon häufiger genannt. Doch ob sich der öffentlichkeitsscheue Finne den Job beim wohl größten Aufmerksamkeitsmagnet in der Formel 1 wirklich antun will?

Mark Webber zumindest ist ins Hintertreffen geraten bei Red Bull. Nach den Vorfällen in Malaysia, der Stallorder-Affäre, ist der Rückhalt, den der Australier bei Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz genoss, nicht mehr groß. Man kreidet dem 36-Jährigen intern vor allem an, mit seinem Verhalten nicht das Bild der großen und glücklichen Red-Bull-Familie zu transportieren.

Eine Rolle spielt dabei auch Webbers Lebensgefährtin Anne Neale, die gleichzeitig als Managerin agiert. Internen Beobachtern bei Red Bull ist jedenfalls schon aufgefallen: „Wenn sie da ist, dann ist Mark ganz anders – dann ist es manchmal deutlich komplizierter, mit ihm zu arbeiten.“ Nach dem Grand Prix in China etwa, bei dem Webber auch durch seinen Unfall mit dem Toro-Rosso-Piloten Vergne keine besonders gute Figur machte, sorgte sie am für Aufregung, als sie bei britischen Medien streute, Webber würde 2014 sowieso nicht mehr bei Red Bull fahren, der Vertrag mit Porsche für die Langstrecken-WM sei quasi schon unterschrieben.

Solche Spielchen wären von Ricciardo wohl nicht zu erwarten. Gewiss ist der 23-Jährige aus Perth ehrgeizig, er setzt sich als klares Ziel, einmal Weltmeister zu werden. Kampflos als Nummer zwei hinter Vettel würde er sich nicht ergeben, „aber wenn ein Zeitpunkt in der Saison gekommen wäre, wo er deutlich vorn liegt, dann würde ich klarerweise das tun, was ihm hilft“. Auch persönlich versteht er sich mit Vettel gut, „wir sind ja auch beide noch sehr jung“. Um dann grinsend einen Nachsatz anzuhängen: „Für einen Deutschen ist er wirklich sehr nett.“ Ob er denn bereit wäre, sollte Red Bull ihn im Sommer ins Team berufen? „Klar, sicher“, sagt er da erst – um dann aber zu merken, dass das vielleicht zu deutlich war: „Aber ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass das passiert. 2014 auf Grund meiner Leistungen weiter bei Toro Rosso fahren – das wäre der normale Weg, mit dem ich sehr glücklich wäre.“ Die Formel-1-Diplomatie hat er also auch schon gelernt.

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