Daniele De Rossi : Wuchtbrumme mit Teletubbietattoo

Daniele De Rossi kann im EM-Viertelfinale gegen England Italiens Schlüssel zum Halbfinaleinzug sein: Denn härter als die kantigen Engländer ist nur der 29-Jährige mit der Blutgrätsche als Tätowierungen auf der Wade.

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Langer Ärmel, langes Bein. Daniele De Rossi (l.) attackiert den Spanier Cesc Fabregas. Foto: dapd
Langer Ärmel, langes Bein. Daniele De Rossi (l.) attackiert den Spanier Cesc Fabregas.Foto: dapd

Die Wade ist eine Warnung. Den rechten Unterschenkel von Daniele De Rossi ziert eine Art tätowiertes Warndreieck, auf dem ein Strichmännchen gegen ein anderes Strichmännchen zur Grätsche ansetzt. So weit ganz lustig, bei genauerem Hinsehen jedoch erkennt man, dass der Ball in unbeteiligtem Abstand zum Zweikampf eingezeichnet ist. Aus dem Bein des Attackierten zucken Blitze, ja, es wirkt sogar ein wenig durchtrennt.

In der Regel verraten Tätowierungen nicht viel über Fußballer, außer, wie Frau und Kinder heißen oder mit welchen Tieren sie sich identifizieren. Bei italienischen Mittelfeldspielern aber scheint die Körperkunst etwas über das Berufsverständnis auszusagen. Alessandro Diamanti, ein spielfreudiger Offensivmann, trägt einen Smiley auf der Wade, De Rossi die Blutgrätsche.

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1 von 8Foto: AFP
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Nicht nur deshalb würde der blonde Vollbartträger mit den bunten Armen und Beinen eher in das Team des heutigen Viertelfinalgegners passen: England. So wirkt es nur natürlich, wenn De Rossi vom englischen Kapitän schwärmt: „Ich würde mich freuen, wenn ich einmal so gut in der Defensive spielen würde wie Gerrard.“ Dass er nicht über Offensivqualitäten spricht, überrascht nicht, eher, dass er defensiv noch Verbesserungspotenzial sieht.

Denn De Rossi ist bereits das heiße Herz der italienischen Abwehr. Egal, ob als zentraler Mann einer Dreierkette – eine Rolle, die er schon beim AS Rom spielte – oder im Mittelfeld als Tackle-Schutz für den Quarterback Andrea Pirlo. Wenn der Temperamenttäter abräumt, dann ist der Tisch blank. Seine Tacklings haben zwar nicht die Eleganz eines Franco Baresi oder Paolo Maldini, deren Grätschen einst schöner anzuschauen waren als anderer Leute Dribblings. Aber mit seiner Wuchtbrummigkeit könnte er heute gegen die Briten Italiens Schlüssel zum Halbfinaleinzug sein, denn härter ist nur er. De Rossi ist sozusagen das Upgrade zum Giftgnom Gennaro Gattuso, der wegen einer Augenoperation die EM verpasste. Denn De Rossi ist mit seiner Dynamik, seiner überraschend guten Ballbeherrschung und seinen Weitschüssen, die Torpfosten schon vor dem Aufprall erzittern lassen, eine Gefahr zwischen beiden Strafräumen. Dass seine Leidenschaft bisweilen bei anderen viel Leiden schafft, er Emotionen in Tritten und Ellbogenschlägen überartikuliert, würde auf der Insel wohl als gesunde Härte durchgehen.

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