Sport : „Dank der Verletzungen bin ich gereift“

Skirennläuferin Maria Riesch hat ehrgeizige Pläne – am Wochende startet sie zum Saisonbeginn in Sölden

Frau Riesch, mit Platz drei im Gesamtweltcup haben Sie sich vergangenen Winter nach vielen Verletzungen eindrucksvoll zurückgemeldet. Wie sehr beschäftigt Sie die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup als nächstes Ziel?

Ich werde dauernd darauf angesprochen, jeder fragt danach. Natürlich ist der Gesamtweltcup mein großes Ziel, aber da kann man sich vielleicht mal an Weihnachten ein Bild davon machen, wie reell die Chancen sind. Ich kann nur immer dasselbe sagen: So was lässt sich nicht planen. Es muss einfach passieren.

Wenn nichts anderes passiert. Wie schnell die schönsten Saisonpläne im Krankenhaus enden können, haben Sie erst kürzlich hautnah beim Training in Sölden miterlebt, als die Österreicherin Marlies Schild einen Trümmerbruch im Schienbein erlitt.

Wir standen schon unten, als das im Steilhang passierte. Wir haben sie bis zum Parkplatz schreien gehört, die hat vor Schmerzen geschrien wie am Spieß. Meine Kollegin Kathi Hölzl hat’s gesehen, der Sturz muss furchtbar ausgesehen haben.

Schlimm für Schild, für Sie aber eine Konkurrentin weniger im Kampf um den Gesamtweltcup.

Daran denkt man in solchen Momenten sicher nicht. Ich kann da besonders gut mitfühlen, weil es mich selbst ja schon oft erwischt hat. Ich weiß, was die Marlies jetzt erwartet.

Am Ende der Saison 2003/2004 standen Sie als 19-Jährige schon mal auf dem dritten Platz im Gesamtweltcup. Danach kamen unter anderem im Jahr 2005 zwei Kreuzbandrisse. Vier Jahre später haben Sie erneut den dritten Platz erreicht. Was ist heute anders?

Es hört sich vielleicht makaber an, aber am meisten haben mir meine Verletzungen gebracht. In dieser Zeit habe ich mich am meisten entwickelt, bin am meisten gereift. Auch das ganze Jahr danach hat mir von der Persönlichkeit und von der Einstellung zu meinem Sport unheimlich viel gebracht. Dass ich es in der vergangenen Saison, gleich in der zweiten nach den Knieverletzungen, wieder so rüberbringen konnte, hätte ich selber nicht erwartet. Es war eine Bestätigung für mich, dass ich alles richtig gemacht habe während meiner Verletzungszeit und danach.

Sie haben im vergangenen Winter die Kristallkugeln in der Super-Kombi und im Super-G gewonnen. Hat Sie Ihre Schwäche im Riesenslalom den Gesamtsieg gekostet?

Die schlechten Ergebnisse hatten sicher etwas damit zu tun. In sieben Rennen bin ich vier Mal ausgeschieden und drei Mal nicht unbedingt so glorreich gefahren. Klar, da kann man überlegen: Wenn man sieben Mal ein Top-10-Ergebnis fährt, was im Bereich meiner Möglichkeiten ist, dann schaut’s schon anders aus. Nicht zu vergessen die drei Abfahrten, wo ich auch noch ausgeschieden bin, das hat vielleicht noch mehr dazu beigetragen, dass es mich ein bisserl zurückgeworfen hat. Aber hilft ja nichts, das ist rum ums Eck.

Welche Schwerpunkte haben Sie beim Sommertraining gesetzt?

Im August hatten wir 18 Tage Schneetraining in Neuseeland, mehr in den technischen Disziplinen. Abfahrt und Super-G habe ich noch kaum trainiert, dafür haben wir noch Zeit in Amerika und Kanada.

ARD und ZDF verzichten wie schon im Vorjahr auf die Übertragung des ersten Saisonrennens aus Sölden, weil ihnen der Winter zu früh kommt. Ein Rückschlag für die alpinen Skifahrer?

Natürlich ist das für den Skisport eine Katastrophe, ich habe auch schon Briefe bekommen, in denen Fans ihre Enttäuschung ausdrücken. Es hat ja immer geheißen, die Alpinen müssen erst mal wieder besser fahren. Dann habe ich in Spindlermühle im Slalom geführt nach dem ersten Durchgang und der zweite ist nicht mehr übertragen worden. Da wundert man sich schon.

Das Interview führte Jörg Köhle.

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