Sport : Danke, Freunde

Herthas Stürmer Michael Preetz beendet heute mit dem Isländer Eyjölfur Sverrisson seine Fußball-Karriere – Spieler und Trainer erinnern sich

Aleksandar Ristic

Michael Preetz und Eyjölfur Sverrisson beenden heute mit einem Abschiedsspiel gegen Galatasaray Istanbul ihre Karriere als Fußballer (Olympiastadion, 16.10 Uhr). Trainer und Mitspieler erinnern sich an gemeinsame Tage mit Herthas früherem Kapitän Michael Preetz.

Oh, ich erinnere mich noch sehr gut an Michael Preetz. Ich war damals, Ende der Achtzigerjahre, Trainer bei Fortuna Düsseldorf, und Michael fiel mir als ein kluger Bursche auf. Wir hatten damals mit ihm, Kaiser, Backhaus, Krümpelmann und Schütz viele junge Leute, die um die 20 waren und meinten, schon alles zu können. Michael war sehr talentiert, ich habe es gleich gesehen. Und er war groß. Aber er musste erst einmal kapieren, dass es ohne Arbeit nicht geht. Er hatte es bei mir sehr schwer, aber er musste Kraft sammeln. Er spielte zwar erfolgreich in der U-20-Nationalmannschaft, aber die Zweite Liga war damals schon hart. Ich musste ihn quälen. Ich glaube, ich war damals ein Ungeheuer für ihn. Ich hatte dreimal am Tag Training angesetzt. Das erste früh um sieben. Da wir viele Pendler hatten, mussten sie um fünf oder halb sechs aufstehen. Weshalb einige Mütter von Spielern zum Präsidenten rannten, um sich zu beschweren. Das war damals Peter Förster. Der war aber Metzger und musste schon um vier raus. Damit war die Sache erledigt. Michael war schlau. Er hat seine Chance gesucht. Er war schon damals entwicklungsfähig in alle Richtungen. Er hat im Laufe seiner Laufbahn viele Erfahrungen gesammelt und, wie ich denke, auch gut verarbeitet. Ich traue ihm viel zu in seiner neuen Tätigkeit. Aber ich würde ihm heute wieder sagen: Michael, Talent allein reicht nicht aus. Harte Arbeit ist gefragt.

Aleksandar Ristic (59) trainierte Michael Preetz zwischen 1987 und 1990 bei Fortuna Düsseldorf.

Von Ralph Loose

Ich muss gleich sagen, dass ich mit Michael Preetz eng befreundet bin. Also werde ich nicht viel Schlimmes erzählen können. Wir kennen uns, seitdem wir für drei Jahre zusammen bei der Fortuna gespielt haben. Ich war damals Kapitän. Michael fiel mir gleich als intelligenter Junge auf. Ich habe mich nie getäuscht in ihm. Er ist ein nicht gerade angepasster Typ, sondern einer, der seine eigene Meinung vertritt, einer, der – obwohl ein Düsseldorfer Junge – nie den Bodenkontakt verloren hat. Er wird seinen Weg machen, egal, was oder wer ihm im Weg steht. Michael ist alles andere als ein Schaumschläger. Ich glaube, wir funkten beide auf einer Wellenlänge. Über allem steht Vertrauen. Am meisten schätze ich an ihm, dass er immer das Positive sucht. Den Kontakt haben wir nie abreißen lassen. Wir haben viele Urlaube zusammen verbracht, und ich war dabei, als Michael seine Frau kennen lernte. Wir hatten in Haan bei Düsseldorf eine Kneipe, wo wir Spieler oft hingegangen sind. Und sie, Katrin, war auch oft da. Bei ihm dauerte es mal wieder etwas länger. Wie er es geschafft hat, weiß ich bis heute nicht genau. Aber ich glaube, es war sein besonderes Lächeln. Da bewegt sich bei ihm ja das ganze Gesicht. Die Ehe hält heute noch, was ja fast schon ungewöhnlich ist bei all den Geschichten, die man heute so liest oder hört. Und jetzt im Sommer wird ihre Tochter eingeschult.

Ralph Loose (40) spielte drei Jahre lang mit Michael Preetz bei Fortuna Düsseldorf. Heute ist er Nationaltrainer Liechtensteins.

Von Hendrik Herzog

Mein erster Eindruck war gar nicht gut. Michael wirkte so intellektuell, und ich war doch eher einfach gestrickt. Ich dachte, dass wir beide uns wohl nicht grün werden würden. Als ich 1997 zu Hertha kam, legte uns Trainer Jürgen Röber auf ein Zimmer. Dabei wollte ich eigentlich mit Axel Kruse das Zimmer teilen, der passte viel besser zu mir. Es kam anders, und ich bereue es bis heute nicht. Ich bin um eine gute Freundschaft reicher geworden. An ihm hat mir immer imponiert, wie er als Kapitän unsere Interessen vertreten hat, wie er aufgetreten ist und zur Mannschaft reden konnte. Dabei hat er sich nie verstellt, obwohl er auf dem Platz ein Schwein sein konnte. Von 365 Nächten im Jahr haben wir bestimmt die Hälfte in einem Zimmer verbracht. Drei Jahre lang. Wir kannten uns ja schon fast besser als unsere Frauen. Die Chemie zwischen uns stimmte von Beginn an, obwohl wir so unterschiedliche, fast schon gegensätzliche Typen sind. Während ich auf dem Zimmer mit meiner Frau oder Kumpels telefonierte, sprach Michael mit Leuten von der Spielergewerkschaft, deren Vizepräsident er war. Er hatte immer irgendwelche wichtigen Dinge zu besprechen. Jeder hatte so seine Marotten. Er wollte beispielsweise immer auf der rechten Seite liegen, dafür ließ er mich morgens als Erster ins Bad. Vor dem Schlafengehen haben wir oft noch eine geraucht, wobei er immer den Aschenbecher ausgeleert hat. Dann haben wir Harald Schmidt gesehen und die Augen zugemacht.

Hendrik Herzog (34) spielte zwischen 1997 bis 2000 mit Preetz bei Hertha.

Von Jürgen Röber

Mit dem nackten Hintern lag Michael an der türkischen Riviera, als neben der Liege sein Handy klingelte und ich ihn fragte, ob er nicht zu Hertha BSC wechseln … ach, halt! Michael hat ja neulich gesagt, dass ich das nicht mehr erzählen darf. Jedenfalls kam der Michael dann im Sommer 1996 von Wattenscheid zu uns nach Berlin. Das war kurios, er hatte uns ja im letzten Spiel fast in die Regionalliga geschossen. Sein Schuss ging daneben, und von nun ging es mit ihm bergauf. Dass ich aus Michael keinen Filigrantechniker mehr machen kann, das wusste ich. Aber ich wollte diesen Typ haben, diesen ehrgeizigen, hartnäckigen Profi. Wir haben vor den Spielen oft im Mannschaftshotel auf dem Zimmer gesessen und geredet. Auch ich hatte Fragen. Ob ich die Spieler noch erreiche, nach dem 2:5 in Unterhaching war das so. Er hat ruhig zugehört, keine Miene verzogen und schließlich seine Meinung gesagt. Das war seine Stärke, seine Rhetorik, seine Ruhe. Auch deshalb glaube ich, dass er sich auf der Trainerbank nicht wohl fühlen würde. Michael ist für den Posten des Sportdirektors geeignet. Wenn etwas bleibt, dann ist es der Respekt vor einem intelligenten Burschen, der sich in Berlin einen bemerkenswert hohen Status erarbeitet hat.

Jürgen Röber (49) war von 1996 bis 2002 Trainer von Hertha BSC.

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