Sport : Danke, Ministerpräsident!

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Armin Lehmann über Roland Koch, das NOK und ein Berliner Angebot

Manchmal macht Berlin seine Sache gar nicht so übel. Das merkt man daran, wie der Berliner Senat um den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kritisiert wird. Einen Frontalangriff hat gerade Hessens Ministerpräsident Roland Koch gestartet und zwar deshalb, weil Berlin das Nationale Olympische Komitee (NOK) in die Hauptstadt holen will. „Unseriös“ und „ruinös“ findet Koch das Ganze und verweist auf die finanziell desaströse Berliner Haushaltslage.

Das mit dem tiefen Loch im Berliner Haushalt stimmt zwar, aber „unseriös“ ist das Angebot der Berliner nur deshalb in den Augen von Koch, weil er die wichtigste Sportinstitution Deutschlands gerne in Frankfurt am Main behalten würde. Unseriös wäre das Angebot Berlins, in der Wilhelmstraße eine wertvolle Immobilie zur Verfügung zu stellen, die ohnehin leer steht, nur dann, wenn man sich quasi hinten herum über den Länderfinanzausgleich das Geld, das man dem NOK erlässt, zurückholen wollte.

So aber setzt der Senat nur konsequent das fort, was mit anderen Institutionen und Unternehmen bereits erfolgreich praktiziert wurde: Universal, CocaCola oder auch die Popkomm sind Beispiele dafür, wie Berlin versucht, langfristig Unternehmen und Unternehmungen an die Stadt zu binden: mit seinen Ressourcen. Auch aus Sicht des Nationalen Olympischen Komitees würde ein Umzug nach Berlin Sinn ergeben: die Nähe zur Politik, zu anderen Entscheidern und Multiplikatoren – Gründe also, die auch NOK-Mitgliedern nicht verborgen geblieben sein dürften. Deshalb plädiert NOK-Chef Klaus Steinbach vorsichtig dafür. Kochs empörter Aufschrei ist eher Indiz dafür, dass Steinbach bei seiner Überzeugungsarbeit vorankommt.

Hoch interessant ist auch Kochs Argument, Berlin würde in einen „ruinösen Standortwettbewerb“ eintreten. Ausgerechnet der Verfechter von mehr Markt und Wettbewerb will eben diesen verhindern? Nein, Roland Koch weiß ganz genau, was Berlin am NOK und das NOK an Berlin hätte.

Langfristig gesehen müsste Koch die Berliner sowieso unterstützen. Denn er hat ja Recht: Berlin hat kein Geld. Deshalb versucht es, neue Wege zu gehen, um den Standort attraktiver zu machen. Und irgendwann, wenn Berlin damit Erfolg hat, muss das Geberland Hessen für die Hauptstadt weniger in den Länderfinanzausgleich einzahlen.

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