Sport : Dann kam der Hurrikan

Albas Basketballer warten auf Hollis Price: Er will zurück ins überflutete New Orleans

Benedikt Voigt

Berlin - Eigentlich sollte Hollis Price zu Wochenbeginn die Dinge packen, die er für die nächsten zehn Monate benötigt, und in New Orleans ein Flugzeug besteigen. Stattdessen musste der neue Aufbauspieler des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin gemeinsam mit Tausenden anderen Menschen über den Interstate Highway vor dem Hurrikan „Katrina“ flüchten. Am Dienstag hatten die Berliner kurzzeitig Kontakt zu ihm – und haben zumindest eine positive Nachricht erhalten. „Er ist unverletzt“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi. Alles andere aber ist unklar.

Hollis Price will versuchen, in seine Heimatstadt New Orleans zurückzukehren, die in großen Teilen unter Wasser steht. „Es ist alles ein unglaubliches Durcheinander“, sagt sein Agent Doug Neustadt. Er steht gegenwärtig telefonisch in Kontakt mit ihm. Gegenüber der „BZ“ sagte Hollis Price: „Ich habe nichts mehr, mein Haus, meine Garage mit dem Auto, mein Grundstück, alles ist zerstört.“ Immerhin ist seine Familie rechtzeitig nach Houston, Texas, geflüchtet. Seine Ankunft in Berlin ist ungewiss. „Ich werde heute noch einmal mit dem Berliner Management darüber sprechen“, sagte Doug Neustadt.

Zwar hatte der Agent für Freitag einen neuen Flug von New Orleans aus gebucht, doch es sieht nicht so aus, als würde Hollis Price dort die Reise antreten können. Der Flughafen ist für unbestimmte Zeit geschlossen, es herrscht Chaos in der Stadt, Geschäfte werden geplündert, die Behörden evakuieren die Menschen. Jene, die geflüchtet sind, werden angehalten, nicht zurückzukommen.

Das Problem ist, dass Hollis Price bei seinem überstürzten Aufbruch nicht das mitgenommen hat, was er für einen zehnmonatigen Aufenthalt in Berlin bräuchte. „Das musste alles sehr schnell gehen“, sagt Neustadt, „da hat niemand lange nachgedacht.“ Unklar ist, ob der Basketballprofi seinen Reisepass bei sich trägt. Bei Freunden in Atlanta hat der 25-Jährige den Hurrikan körperlich unbeschadet überstanden. „Er ist verhältnismäßig ruhig geblieben, er hat gebetet“, sagt Doug Neustadt.

So hat der Hurrikan auch auf die Vorbereitung von Alba Berlin negative Auswirkungen. „Das läuft nicht gerade optimal“, sagt Marco Baldi. Zumal gestern der Vertrag mit dem neuen Centerspieler Marvin Stone nicht zustande kam (siehe Kasten). Außerdem fehlen den Berlinern der deutsche Nationalspieler Demond Greene und der Kroate Matej Mamic, die sich mit ihren Nationalteams auf die Europameisterschaft vorbereiten.

Am Sonntag hat Trainer Henrik Rödl mit dem Training begonnen. Hollis Price aber, der in der vergangenen Saison in der französischen Liga für Le Mans spielte, hatte vom Cheftrainer noch ein paar Tage Sonderurlaub bekommen, weil er am Wochenende von seiner ehemaligen Universität „University of Oklahoma“ geehrt wurde. Danach fuhr er zurück in seine Heimatstadt New Orleans. Dann kam der Hurrikan.

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