Sport : Dann lieber schweigen

Nicolas Diekmann

Eine Meldung, die überrascht: Angeblich plant Lance Armstrong – einst Radsportheld, nun heldenhaft überführter Betrüger – ein Doping-Geständnis in eigener Sache. Das will die „New York Times“ aus dem Umfeld des bisher so wortkargen Texaners erfahren haben. Armstrong könnte einen wichtigen Beitrag zu einem Neuanfang im Radsport leisten. Dazu, dass noch aktive Funktionäre und Trainer mit Dopingvergangenheit aus den Rennställen fliegen.

Doch Armstrong war sich schon im Peloton stets selbst am nächsten. Und auch diesmal liegen wohl eher egoistische Motive zugrunde. Er hat Gefallen am Triathlon gefunden, die meisten Veranstalter dieser Events sind nach der Aberkennung der Toursiege aber nicht bereit, Armstrong starten zu lassen. Die Sportjustiz gnädig zu stimmen, soll seine Motivation sein, Licht ins Doping-Dickicht zu bringen. Ein umfassendes Geständnis ist so oder so kaum zu erwarten. Armstrong drohen Prozesse wegen möglicher Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe. Ein Geständnis wäre wichtig, gleichtzeitig aber nicht nur eine moralische, sondern womöglich auch seine finanzielle Bankrotterklärung.

Erik Zabel und Bjarne Riis haben gezeigt, wie man es falsch macht: Sie gestanden nur Dopingfälle ein, die bereits verjährt waren. Das hat dem Sport wenig gebracht; Riis ist bis heute Teamchef im Radzirkus. Wenn Armstrong der Sport, der ihn reich und berühmt machte, wirklich wichtig ist, dann muss er ohne Rücksicht auf sich selbst auspacken. Mit einem Teilgeständnis ist niemandem gefolfen. Da kann er auch gleich weiter schweigen.

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