Sport : „Dann sagen wir 8000 Euro“

In einem possenhaften Prozess einigt sich Lothar Matthäus mit dem FC Bayern München

Markus Schäflein

Das Schauspiel war von Sitzungssaal 6 in Saal 28 verlegt worden, wegen des großen Interesses des Publikums. Aber auch dort war es viel zu eng. Denn der Stoff taugte zwar nicht zu einem großen Drama, aber immerhin zu einem unterhaltsamen Bauerntheater. Als Lothar Matthäus kam, drängten sich die Kamerateams und Fotografen um den kleinen Holztisch mit dem weißen Papptäfelchen „Kläger“.

Lothar Matthäus, der ehemalige Fußballstar und heutige Trainer von Partizan Belgrad, stellte sich mit seinem Berater und seinen Anwälten auf, wie er sich früher mit den Mannschaftskollegen des FC Bayern zum Foto für das „Kicker“-Sonderheft positioniert hat. Mit ernstem Blick, zwischendurch mit dem Lächeln eines Siegers. Aber in der Verhandlung gegen seinen ehemaligen Verein FC Bayern München musste Matthäus erleben, was er als Spieler nicht gewohnt war: Er wirkte unterlegen, zeitweise wurde es geradezu peinlich für ihn.

Richter Stefan Bischoff ließ von den Vorwürfen des ehemaligen Nationalspielers gegen den FC Bayern nur einen zu: 30 000 Mark für die Organisationskosten hatte der Verein als Abschlagszahlung von den Einnahmen seines Abschiedsspiels vorgenommen. „Wir hatten das im Oktober 2000 mündlich vereinbart. Ich habe gesagt: Lothar, ich habe hier einige Posten, die man nicht exakt belegen kann. Da hat er gesagt, es gehe in Ordnung“, sagte Hopfner. „Ich möchte nicht mit Herrn Hopfner diskutieren, ich habe zweieinhalb Jahre Kontakt gesucht“, entgegnete Matthäus. Mit dem Gericht müsse er allerdings schon reden, meinte der Richter, und so erklärte Matthäus: „Dieses Gespräch hat nie stattgefunden.“ Der Vorschlag des Richters, beide Parteien könnten sich gütlich auf einen mittleren Bereich der strittigen 30 000 Mark einigen, lehnte Matthäus zunächst ab.

Die Unterlagen, die Matthäus einsehen wollte, hatte der Klub einen Tag vor der Sitzung seinen Anwälten zukommen lassen. Sie erklärten zunächst, es sei nicht ausreichend Zeit gewesen, die offenen Fragen zu klären. „Sie kannten die Zahlen doch schon seit Wochen. Sie haben jetzt das auf dem Tisch, was sie sehen wollten“, sagte der Richter, „das ist vielleicht Anlass, sich in einem frühen Stadium zu einigen.“ Schließlich gehe es um „zwei Parteien, die lange voneinander profitiert haben“.

Nach einer zweiten Unterbrechung erklärten Matthäus’ Anwälte, sie seien zu einem binnen zwei Wochen widerrufbaren Vergleich bereit. Die Forderung nach Einsicht in die Unterlagen erklärten sie für erledigt. Dann steuerte die Tragikomödie zielsicher einem furiosen Finale entgegen: Matthäus’ Anwälte forderten zunächst 20 000 Euro als Zahlung des FC Bayern. Es sei doch um 30 000 Mark und nicht Euro gegangen, entgegnete der Richter. Daraufhin gingen die Anwälte auf 12 000 Euro Forderung zurück. Die Vertreter des FC Bayern erklärten, mehr als die Hälfte des strittigen Betrages, also 7500 Euro, werde der Klub nicht zahlen. „Dann sagen wir 8000 Euro“, sagte Matthäus und sorgte endgültig für Gelächter im Gerichtssaal. Es blieb bei 7500 Euro. Damit hat die merkwürdige Posse wahrscheinlich ein Ende gefunden – nach mehr als drei Jahren.

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