Sport : Dariusz Wosz: Ausgepokert

Klaus Rocca

Am Mittag ließ er sich noch für das Mannschaftsfoto von Hertha BSC ablichten, wenig später wusste er, dass er nie mehr für den Berliner Fußball-Bundesligisten spielen wird. Dariusz Wosz, bei Hertha längst ins Abseits geraten, weil Sebastian Deisler seine Position eingenommen hat, trägt in der neuen Saison das Trikot des Zweitligisten VfL Bochum, für den er schon 146 Bundesligapartien bestritten hat. "Er erhält bei uns einen Dreijahresvertrag plus ein Jahr Option", erklärte Bochums Sportlicher Leiter Heinz Knüwe. Bereits heute fährt der 32-Jährige Wosz nach Bochum, um den Kontrakt zu unterschreiben.

Bis zuletzt pokerte Bochums Präsident Werner Altergoer, der Wosz bei seinem Wechsel nach Berlin "Schmierlapp" hinterhergerufen hatte, mit Herthas Manager Dieter Hoeneß um die Ablösesumme. Die soll 2,5 Millionen Mark betragen. Allerdings wird ein Teil davon erst fällig, wenn Bochum wieder aufsteigen sollte. Hoeneß: "Wir sind dem VfL entgegengekommen, haben einen vernünftigen Kompromiss gefunden." Zwar trage Hertha nun ein gewisses Risiko, "doch sonst wäre der Transfer möglicherweise gar nicht zu Stande gekommen" (Hoeneß). Als Wosz 1998 zu Hertha kam, blätterten die Berliner 5,2 Millionen Mark hin - damals die höchste Ablösesumme der Klubgeschichte.

Wosz selbst, der bei Hertha angeblich 2,5 Millionen Mark pro Saison verdiente, muss beim VfL zurückstecken. "Das nehme ich in Kauf. Hauptsache, ich kann wieder spielen", meinte er. Die Chance, in die Nationalmannschaft zurückzukehren, hält er "für minimal". Der nur 1,69 Zentimeter große Mittelfeldspieler, in Polen geboren, bestritt sieben Spiele für die DDR und 17 für den DFB. Nach Beendigung seiner Fußballerkarriere will Wosz, der in Bochum ein Haus besitzt, beim VfL einen Trainerjob übernehmen.

Ehe Wosz Berlin verlässt, wird er sich heute noch von der Mannschaft verabschieden. Wosz: "Ich scheide nicht im Groll. Aber das letzte halbe Jahr ging mir doch ganz schön auf die Nerven." Da hatte Trainer Jürgen Röber kein Hehl daraus gemacht, dass er mit ihm nicht mehr rechnet.

Natürlich ist er nicht dabei, wenn Hertha heute Mittag nach Dessau fährt. Im dortigen Paul-Greifzu-Stadion trifft die Mannschaft in der Vorrunde des Ligapokals auf Bayer Leverkusen (20.30 Uhr, live in der ARD). Röber erwägt, mit dem Drei-Mann-Sturm Alves/Preetz/Marcelinho zu beginnen. Der lange verschmähte Rob Maas (Röber: "Er ist körperlich noch nicht hundertprozentig fit") soll nach der Pause gewissermaßen als Feuerwehrmann vor der Abwehr zum Zuge kommen. Im Vorjahr gewann Hertha an gleicher Stelle im Halbfinale nach Elfmeterschießen 5:4 gegen Leverkusen, verlor im Finale aber 1:5 gegen Bayern München.

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