Sport : Dariusz Wosz: Der Herthaner ist Ruhrpott-Fan

Klaus Rocca

In Bochum besitzt er noch ein Haus ("Ein Traumhaus"), noch immer fährt er mit einem Bochumer Autokennzeichen. Und Dariusz Wosz lässt keinen Zweifel daran, dass er sich nach dem Ende seiner Fußballer-Karriere dort auch niederlassen will. "Alle können abschätzig vom Ruhrpott reden, ich fühle mich da pudelwohl", sagt er. Morgen kann er wieder in Erinnerungen schwelgen, nostalgischen Gedanken nachgehen. Dann tritt Wosz im Olympiastadion mit Hertha BSC gegen seinen ehemaligen Verein an, den VfL Bochum. Für den spielte er sieben Jahre lang.

1991 kam Wosz nach Bochum. 1,2 Millionen Mark musste der VfL an Chemie Halle überweisen. Halle an der Saale war jahrelang das Zuhause des gebürtigen Polen. Empor und Motor hießen die anderen Klubs. 93 Spiele bestritt Wosz in der DDR-Oberliga, siebenmal rannte der Dauerläufer in der Auswahl.

In Bochum fühlte er sich schnell heimisch. "Es war für mich als Fußballer und für meine Familie eine tolle Zeit", erinnert er sich. Wenn nur nicht der Abgang, 1998, so häßlich gewesen wäre. "Schmierlapp", rief ihm VfL-Präsident Werner Altegoer hinterher. Der war erbost, dass Wosz zu Hertha gewechselt war. Ein lukratives Angebot von Paris St. Germain lag den Bochumern vor, weitaus lukrativer als die 5,2 Millionen Mark, die Hertha zu zahlen bereit war. Altegoer dachte ans große Geld und war bitter enttäuscht vom kleinen "Darek". Schnee von gestern. "Wir haben uns", sagt der 1,69-m-Mann heute, "beim letzten Hallenturnier in Berlin ausgesprochen. Nun können wir uns wieder in die Augen sehen." Wobei Wosz nicht zu sagen vergisst, "dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich mich mit dem Angebot aus Paris intensiver beschäftigt hätte". Freilich, bei Hertha habe er die größere sportliche Zukunft gesehen. Und das sei entscheidend gewesen. Selbst dem Angebot des FC Bayern erlag er nicht.

Mit Altegoer ist er inzwischen ins Reine gekommen. Ob die VfL-Fans ihm seinen Wechsel in die Hauptstadt verziehen haben, weiß er nicht. Lange Zeit entlud sich ihr ganzer Zorn, sogar in gewalttätigen Aktionen. So wurde der Trabbi seiner Frau abgefackelt. Altegoer dürfte sich nicht ganz unschuldig an den Reaktionen gefühlt haben.

Längst ist Wosz bei Hertha zum wertvollen Stammspieler geworden. Nicht nur, weil er rennt und rennt und rennt. "Darek rennt manchmal zu viel", kritisierte sein jetziger Trainer Jürgen Röber einmal. Er solle lieber mal den Kopf heben und seine Mitspieler suchen. Wosz tut es längst. Und absolviert dabei noch immer ein enormes Laufpensum. Inzwischen hat er 211 Bundesligaspiele bestritten, 65 für Hertha. Morgen ist es das 66.

Dabei hätte der 31-Jährige in dieser Saison am liebsten gar nicht mehr für Hertha gespielt. Als er aus der Presse erfuhr, dass Hertha Stefan Beinlich verpflichtet hat, sagte er im ersten Ärger: "Wenn der Stefan kommt, dann gehe ich." Nicht, dass er was gegen Beinlich gehabt hätte. Aber er fühlte sich übergangen, wäre gern vorher gefragt worden. Schließlich spielt Beinlich im Mittelfeld eine ähnliche Position wie Wosz. Da können schon mal Eifersüchteleien, gar Kompetenzstreitigkeiten aufkommen.

Ein Konflikt wurde von der Boulevardpresse hochgespielt, der nie einer war. Wosz spielt im Mittelfeld zentral, Beinlich halblinks. "Wir verstehen uns prächtig", sagt Wosz heute. Nicht nur auf dem Spielfeld. Wenn beide zur Nationalmannschaft gerufen werden, teilen sie sich ein Zimmer. Und wenn Beinlich, wie zuletzt gegen den HSV, nicht nur seiner Tore wegen, Mann des Spiels ist, freut sich Wosz mit ihm: "Es ist doch völlig egal, wer die Tore schießt. Und die Prämie kassieren wir doch alle."

Die will er natürlich auch morgen kassieren, wenn es gegen den VfL Bochum ("Ich hätte nie gedacht, dass der aufsteigt") geht. Vorher will er sich mit ehemaligen Kameraden unterhalten. Vielleicht auch darüber, dass er eines Tages wieder in sein Haus in Bochum ziehen wird. Vorher aber, sagt Wosz, "möchte ich noch ein paar Jahre in Spanien spielen". Auch ein Ruhrpott-Fan sehnt sich mal nach der Sonne.

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