Darts-WM : Die Eckkneipe der großen Welt

Darts begeistert mittlerweile Millionen Menschen. Das liegt an der Inszenierung, aber vor allem am Reiz des Bekannten. Ein Kommentar.

Michael van Gerwen ist momentan der größte Star der Darts-Szene.
Michael van Gerwen ist momentan der größte Star der Darts-Szene.Foto: AFP PHOTO / DANIEL LEAL-OLIVAS

Als Michael van Gerwen die Darts-WM mit einem Treffer in die Mitte, in das Bulls Eye, beendete, stand der Londoner „Ally Pally“ Kopf. 2500 Zuschauer in der Halle und Millionen vor den Fernsehern fieberten am Montagabend mit – allein in Deutschland sahen bei Sport 1 im Schnitt 900.000 Menschen zu, wie der Niederländer seinen zweiten Weltmeistertitel holte. Der professionelle Darts-Sport ist in den vergangenen Jahren aus der Eckkneipe ausgezogen und begeistert immer mehr Menschen. Er ist aber eben deshalb so populär, weil er aus der Eckkneipe kommt.

Auf der Insel und in den Niederlanden, von wo sich Ministerpräsident Mark Rutte kurz nach Ende des Endspiels mit Glückwünschen telefonisch an van Gerwen wendete, sind die besten Spieler zu Stars geworden. Sorgen um Geld müssen sie sich nicht machen, der neue Weltmeister kassierte für seinen Sieg über 400.000 Euro Preisgeld. In Deutschland ist Darts noch lange nicht so weit. Und doch ist auch hierzulande ein Aufwärtstrend erkennbar, mit Max Hopp gehört ein Deutscher zu den hoffnungsvollsten Talenten.

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Wer sich nicht sonderlich mit der Sportart beschäftigt, verortet Darts immer noch eher in der Kneipe als in professionellen Wettkampfstätten. Zudem sehen selbst die Superstars der Szene nicht wie Hochleistungssportler aus. Im Gegensatz zu anderen Randsportarten hat Darts aber den Reiz des Bekannten. So gut wie jeder hat schon einmal in einer Bar oder einem Partykeller mit Pfeilen auf eine Scheibe geworfen. Ein Blick auf die Protagonisten bei der WM suggeriert: Wenn die das mit ihren Bierbäuchen können, kann ich das auch!

Und genau an diesem Punkt setzt für viele Zuschauer die Faszination ein. Denn Darts sieht einfach aus, auf solch einem hohen Niveau ist es das aber ganz und gar nicht. Allein im Finale gelangen van Gerwen und Gary Anderson 42 „perfekte Aufnahmen“, also 180 Punkte mit drei Würfen auf die dreifache 20. Diese an Perfektion grenzende Präzision ist jedoch ein zweischneidiges Schwert, denn Spannung und sportliche Dramen leben von Fehlern – und die sind beim Darts meist klein und fast so selten wie drei perfekte Würfe in Folge sowie die dazugehörigen „Onehundredandeighty“-Rufe in der nächsten Eckkneipe.

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