Sport : Das 20. Gold in Serie

Deutschlands Dressurreiter dominieren erneut die EM

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Hickstead (dpa). Mit einem Riesenvorsprung und einer Demonstration der Stärke hat die deutsche DressurMannschaft ihre Siegesserie fortgesetzt: Bei den Europameisterschaften im englischen Hickstead gewann das Team die 20. Goldmedaille in Serie. Die Einzelwertung lässt auf weitere Medaillen hoffen, denn hinter der führenden Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) mit Rusty liegt Heike Kemmer (Winsen/Aller) mit Bonaparte in aussichtsreicher Position auf Platz vier. Beide Reiterinnen, die bereits tags zuvor gestartet waren, verpassten gestern die vorzeitige Entscheidung. Weil sie im Stau stecken geblieben waren, jubelten sie mit Verspätung.

Die für die Konkurrenz erschreckende Dominanz war so groß, dass die Entscheidung schon vor dem abschließenden Ritt von Isabell Werth (Mellendorf) gefallen war. „Ich freue mich wahnsinnig“, sagte Klaus Husenbeth (Sottrum), der mit Piccolino den vorzeitigen Erfolg sichergestellt hatte. Ungewohnt nervös war der einzige Mann im Team, denn sein elfjähriger Hannoveraner-Wallach hatte bis Dienstag noch Fieber. „Ich hatte ganz schön Herzklopfen“, gestand Husenbeth, der trotzdem fehlerfrei blieb. Deutschland siegte mit 5380 Punkten vor Spanien (5101) und Großbritannien (5079).

Bestätigt fühlen durfte sich durch den Triumph vor allem Bundestrainer Holger Schmezer, der für die EM auf junge Pferde gesetzt und auf Weltmeisterin Nadine Capellmann (Würselen) mit ihrem achtzehnjährigen Gracioso verzichtet hatte. „Bei diesen Pferden fällt es leicht, optimistisch in die Zukunft zu schauen“, sagte der Bundestrainer mit Blick auf die Olympischen Spiele in Athen.

Schmezer konnte sich einen Seitenhieb auf Capellmann nicht verkneifen, die sich nach der Nicht-Nominierung für dass CHIO in Aachen heftig beschwert hatte. „Wir haben keine Quertreiber dabei“, sagte der Trainer, ohne den Namen der Weltmeisterin auszusprechen. „Nörgelei über irgendwelche Kleinigkeiten gibt es hier nicht.“

Schmezer erlebte in Hickstead ungewohnten Teamgeist. So habe Salzgeber von sich aus angeboten, als Erste zu starten, um Husenbeths Piccolino und dem bei der Ankunft leicht verletzten Satchmo von Isabell Werth einen Tag mehr Ruhe zu gönnen. Beeindruckt zeigte sich der Coach, wie die Weltranglistenerste das gegen sie laufenden Dopingverfahren verarbeitet: „Es ist erstaunlich, wie sie das abschüttelt.“ Der wieder gewachsene Abstand der deutschen Mannschaft zur Konkurrenz liegt vor allem an der weltweit einzigartigen Leistungsdichte.

Von heute an reiten die vier Goldmedaillen-Gewinner wieder gegeneinander, wenn es in der Spezialprüfung und in der Kür um die Einzelmedaillen geht. Kurios ist allerdings, dass mit Lisa Wilcox derzeit eine Amerikanerin auf dem zweiten Platz liegt. Der Weltverband FEI hat die EM als offene Titelkämpfe ausgeschrieben, sodass zwei verschiedene Medaillensätze bereitliegen. „Das ist völliger Unsinn“, beklagte auch Salzgeber die umstrittene Regelung.

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