Sport : Das andere Tennismodel

Maria Scharapowa hat Anna Kurnikowa endgültig überholt: Die 17-Jährige steht im Wimbledonfinale

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London/Berlin. Jeder Punkt, den Maria Scharapowa spielt, beginnt mit einem Ritual: Zuerst dreht sie ihrer Gegnerin den Rücken zu, hält einen kurzen Monolog und klopft sich einmal auf den Oberschenkel. Erst dann drischt die Russin ihren Gegnerinnen die Bälle mit einer solchen Wucht um die Ohren, dass diese spätestens den vierten Return ins Aus befördern. Ihre Vorhand und Rückhandschläge unterstreicht sie jedes Mal mit einem lauten Stöhnen, Quieken oder Kreischen.

Sie wird ihrem Ritual nun auch im Endspiel von Wimbledon nachgehen dürfen. Nach dem 2:6, 7:6 und 6:1 über Lindsey Davenport steht Maria Scharapowa damit als erste Russin überhaupt in einem Endspiel von Wimbledon. Sie wird es mit der Titelverteidigerin Serena Williams zu tun bekommen, die ihr Halbfinalspiel gegen Amelie Mauresmo 6:7 (4:7), 7:5, 6:4 gewann. „Ich bin völlig sprachlos“, sagte Maria Scharapowa, „ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich schon so jung hier das Endspiel erreiche.“

Dabei hat es zunächst nicht danach ausgesehen. Erst verlor die 17-Jährige den ersten Satz, auch im zweiten Satz ging Davenport mit einem frühen Break in Führung. Doch nach der zweiten Regenpause legte Scharapowa ihre Nervosität ab und übernahm mit ihren harten Schlägen wieder die Kontrolle. Im dritten Satz blieb Davenport, die nach dieser Saison ihre Karriere beendet, chancenlos.

Was das Aussehen betrifft, gilt Scharapowa als Nachfolgerin des russischen Tennismodels Anna Kurnikowa. Wie Kurnikowa trägt auch Scharapowa ihr blondes Haar als Pferdeschwanz und zeigt keinerlei Skrupel, ihre langen Beine etwas mehr zur Schau zu stellen, als das bei einem Tennismatch vonnöten wäre. Es ist kein Zufall, dass das Fernsehen gerne Bilder von Maria Scharapowa überträgt. Das gab es auch früher schon einmal, nachdem Anna Kournikowa 1997 ins Halbfinale von Wimbledon eingezogen war. Doch die Russin erreichte danach nur noch ein Mal das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Mittlerweile ist sie öfter in Glamour-Magazinen zu sehen als auf dem Tennisplatz. Schon deshalb hasst Maria Scharapowa Vergleiche mit Anna Kurnikowa. „Sie hat noch kein Turnier gewonnen und ich schon zwei", sagt Scharapowa und verweist auf ihre Siege in Tokio und Quebec City. Mit dem Finaleinzug in Wimbledon hat sie schon mehr erreicht, als Kurnikowa in ihrer gesamten Tenniskarriere.

Maria Scharapowa hat das Zeug zum Star: harte Schläge auf dem Platz, lange Beine für die Boulevard-Medien und eine bewegende Lebensgeschichte: Mit vier spielte sie zum ersten Mal Tennis und zwar mit einem Schläger, den sie von dem Vater von Jewgeni Kafelnikow geschenkt bekommen hatte. Zwei Jahre später wurde bei einem Moskauer Turnier Martina Navratilova auf sie aufmerksam wurde. Die riet sie an Nick Bolletieris Tennis-Akademie unterzubringen. Vater und Tochter flogen nach Amerika, eine Modellagentur übernahm die 35 000 Euro Jahresgebühr für die Akademie. Fortan lag die Tenniskarriere der siebenjährigen Maria in den Händen von Nick Bolletieri. Heute sagt sie: „Aber ich bin meinen Eltern dankbar für die Entscheidung, die sie für mich getroffen haben.“ So mancher Tennisfan inzwischen auch.

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