Sport : Das angekratze Image der DEL soll jetzt aufpoliert werden

Gerd Münster

Mehr Spannung, mehr Tore, mehr Attraktivität - mit zahlreichen Neuerungen will die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ihr in den vergangenen Jahren angekratztes Image aufpolieren. Die Einführung der Auf- und Abstiegsregelung, die Beschränkung der Spielergehälter durch den "salary cap" und die Aufstockung des Pflichtkontingents von fünf auf acht deutsche Spieler pro Klub sind die wichtigsten Reformen in der DEL, die am Freitag in ihre sechste Saison startete. Aber an der Misere im deutschen Eishockey, die sich vor allem im Abstieg der Nationalmannschaft in die Zweitklassigkeit äußert, ändert sich trotz aller Reformen nach Ansicht von Bundestrainer Hans Zach nichts.

"Zurzeit ist im deutschen Eishockey kein Land in Sicht", sagte Zach, der in der DEL die Kassel Huskies trainiert, der Münchner "Abendzeitung". Der gebürtige Tölzer beurteilte den "salary cap", der die Personalkosten in dieser Spielzeit (ohne Playoffs) pro Verein auf 6,5 Millionen Mark begrenzt und damit eine weitere Explosion der Gehälter verhindern soll, skeptisch. Die neue Quotenregelung nennt er eine "Alibifunktion, wobei die zahlreichen Ausländer nicht schuld sind an der Misere. Die Realität ist, dass ein Deutscher nicht in der Lage ist, einen viertklassigen Ausländer zu verdrängen."

Erneut appellierte Zach an die Vereine, ihre Nachwuchsarbeit zu forcieren. Bei den Klubs, aber auch den Verbänden habe der Weitblick gefehlt, so der Huskies-Coach, und man habe statt in die Jugendarbeit lieber anderweitig investiert. "Wir bekommen jetzt die Quittung für die jahrelange Schlamperei im Nachwuchsbereich", so Zach kürzlich in der "Frankenpost". In der DEL gebe es zu wenig deutsche Spieler und "mindestens 50 ausländische Verteidiger, die besser sind als unsere im Nationalteam. Wer vom Aufstieg in die A-WM-Gruppe träumt, ist auf dem Holzweg. Es wird noch viele Jahre dauern, bis wir wieder mit den weltbesten Mannschaften mithalten können." Die wichtigsten Neuerungen in der DEL im einzelnen

Direkter Auf- und Abstieg: Durch die Verzahnung mit den Ligen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wird erstmals ein direkter Absteiger ermittelt. Die DEL-Teams auf den Plätzen 9 bis 15 tragen unter Mitnahme der Punkte eine einfache Hin- und Rückrunde aus (zwölf Spiele pro Team) aus. Der Letzte dieser Runde steigt in die Zweite Bundesliga ab. Der Meister der höchsten DEB-Liga steigt in die DEL auf, sofern er die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt. Ansonsten würde der Zweite aufsteigen.

Keine Verlängerung: Die Verlängerung wurde abgeschafft. Steht es nach der regulären Spielzeit von 60 Minuten Unentschieden, wird der Sieger sofort im Penaltyschießen ermittelt. Im Playoff bleibt es bei der Verlängerung.

Pflichtdeutsche: Jeder Club muss acht deutsche Spieler unter Vertrag haben, drunter mindestes drei Nachwuchsspieler (geboren am 1. Januar 1977 oder früher).

Gesundheitstest: Die DEL hat auf den Herztod von Stephane Morin (Berlin Capitals) in der vorigen Saison reagiert: Eine kardiologische Untersuchung ist jetzt fester Bestandteil der ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung, die jeder Spieler haben muss.

Videobeweis: Der Videobeweis bei umstrittenen Torentscheidungen wird Pflicht. Im Laufe der Saison sollen in allen 15 Hallen die technischen Voraussetzungen (Decken-Kameras) dafür geschaffen werden.

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