Sport : Das Aus vor Augen

Der VfB Stuttgart verliert in der Champions League gegen den FC Chelsea durch ein Eigentor

Oliver Trust

Stuttgart. Einen ganz besonderen Auftritt hatte einer, der gar nicht mitkickte. Erwin Staudt, der Präsident des VfB Stuttgart, hatte nämlich Trainer Felix Magath vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Chelsea angeboten, seinen Vertrag bis 2007 zu verlängern. Eine solche Aussage kann, muss aber nicht stark machen. Denn der VfB verlor vor 42 000 Zuschauern mit 0:1 (0:1). Damit stehen die Schwaben schon vor dem Rückspiel am 9. März im Stadion Stamford Bridge vor dem Aus.

Dabei war es nicht einmal die erste Wahl, die Trainer Claudio Ranieri auf dem Rasen des Gottlieb-Daimler-Stadions schickte. Es fehlten der rumänische Stürmerstar Mutu und der eigentliche Spielmacher Veron aus Argentinien. Dafür konnte der italienische Coach wieder auf Stürmer Crespo und Torhüter Cudicini zurückgreifen. Der VfB hingegen war in Bestbesetzung angetreten, geriet aber gleich in Rückstand. Fernando Meira fälschte in der 12. Minute eine Flanke unglücklich ins eigene Tor ab. Torwart Hildebrand war überrascht und machtlos.

Auf der Gegenseite parierte Torhüter Cudicini zweimal gegen Meißner glänzend. Trotz des Rückstandes blieb der VfB spielbestimmend, aber der deutsche Vizemeister musste auf die Konter achten. Kurz vor der Halbzeit hatte der Gast aus London durch den Isländer Gudjohnsen die Chance zum 2:0. Crespo hatte ihn mit einem Galapass freigespielt. Der Schuss ging über das Tor.

Vor dem Spiel hatte der Stuttgarter Trainer seinen Optimismus vor allem daraus geschöpft, dass die vom russischen Öl-Milliardär Roman Abramowitsch zusammengekaufte Startruppe von der Insel „nicht so eingespielt ist wie wir“. Für einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag hatte Abramowitsch vor der Saison Spieler für sein neues Team europaweit eingekauft. Magaths Hoffnung erfüllte sich nicht. Sein Trainerkollege Ranieri konnte es sich sogar leisten, zunächst zahlreiche Stars auf der Ersatzbank zu belassen. So auch den irischen Nationalangreifer Damien Duff, der mit der Vereinsrekordablöse von 35 Millionen Euro von den Blackburn Rovers kam und eine Schulterverletzung auskuriert hat. Nach 66 Minuten kam Duff auf den Platz und gab sein Comeback.

Auch Magath hatte reagiert. Für Meißner, der angeschlagen war, kam der offensivere Tiffert. Und in der Tat verstärkten die Schwaben den Druck auf das Tor des FC Chelsea. Zunächst scheiterten Hleb und Meira mit ihren Schüssen. Später kam auch noch Cacau. Der brasilianische Stürmer des VfB scheiterte eine Viertelstunde vor dem Abpfiff. Der VfB gab nicht auf, er wirkte gefälliger und aggressiver, ohne aber ernsthaft Gefahr zu entfachen. Mit zunehmender Zeit schlichen sich Ungenauigkeiten ein. Bis in den Strafraum hinein klappte fast alles, doch dann fehlte es dem letzten Pass an Genauigkeit.

Die Gäste aus London hatten sich längst darauf verlegt, ihren Vorsprung zu verwalten. Sie standen in der Abwehr kompakt und riskierten nach vorn nicht allzu viel. Franz Beckenbauer sagte hinterher: „Chelseas Stärke ist, dass diese Mannschaft ganz schwer einzuschätzen ist.“

Erwin Staudt wird dem zugestimmt haben nach dem gestrigen Spiel. Von seiner Einschätzung der Person Magath aber wird er nicht abrücken. Der 50-jährige Trainer habe den VfB immerhin in die Champions League gebracht. Warum soll sich das nicht wiederholen lassen?

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