Sport : Das Ballack-Loch

Seine Nachfolge will der FC Bayern erst in der nächsten Saison klären – für 30 Miilionen Euro

Daniel Pontzen[München]

Wie stark ist die Mannschaft?

Nimmt man die Tabelle zum Maßstab, zählt die aktuelle Equipe zu den schwächeren Bayern-Teams der vergangenen Jahrzehnte. Seit 32 Spielzeiten sind die Münchner nicht mehr so schlecht gestartet wie in diesem Herbst, und neben unlauterem Wettbewerb (man musste mehr Nationalspieler für die WM abstellen als andere) hat dies vor allem den Grund, dass der Klub den Verlust von Michael Ballack nicht kompensieren konnte. Auch Mark van Bommel, der es mit seinem anpackenden Wesen zwar auf Anhieb in die Führungsriege der Team-Hierarchie geschafft hat, konnte diese Lücke bislang nicht schließen.

Wie stark ist der Trainer?

Als der Vorstand im Juli den bis 2007 datierten Vertrag mit Felix Magath um ein Jahr verlängerte, wollte er das als Geste des Vertrauens gewertet wissen. Dabei war dies kaum mehr als eine Vorsichtsmaßnahme: Wäre Magath nur mit einem bis zum Saisonende laufenden Kontrakt ausgestattet in die Punkterunde gegangen, hätten spätestens nach zwei Niederlagen in Folge lebhafte Diskussionen über seine Ablösung begonnen. Wären die Bayern-Bosse von Magaths Arbeit ehrlich überzeugt, hätten sie wohl nicht bis 2008, sondern bis 2010 verlängert. Zu den Sicherheiten Magaths, nicht vorzeitig entlassen zu werden, zählt indes das begrenzte Angebot auf dem Trainermarkt: Die einzige derzeit verfügbare Alternative aus der Premiumklasse ist in München – vorsichtig ausgedrückt – schwer vermittelbar. Sie heißt: Christoph Daum.

Welche Taktik wird gespielt?

Nach der Ballack-bedingten taktischen Anarchie der Vergangenheit schien Magath der Mannschaft mit der zu Saisonbeginn enthüllten Drei-Stürmer-Taktik endlich so etwas wie eine Strategie implantiert zu haben. Doch nach schwachen Auftritten ist er von dieser Marschroute wieder abgerückt. Zuletzt positionierte er wieder einen Mann im zentralen offensiven Mittelfeld, und dass jene Rautenformation vorerst als favorisierte Lösung gilt, deutete Magath mit dem Verwendungszweck für Rückkehrer Sebastian Deisler an: „Er ist auch ein Kandidat, der aus dem Zentrum kommt.“

Wie sieht das Team der Zukunft aus?

Die Bayern planen für die kommende Saison die Verpflichtung eines Top-Stars für rund 30 Millionen Euro. Zudem rekrutierte der Rekordmeister zuletzt konsequent aus dem eigenen Internat, jüngstes Beispiel: Andreas Ottl. Spannender als personelle Aspekte erscheint die Frage, ob es den Bayern gelingt, ein ureigenes, tragfähiges Spielsystem zu entwickeln.

Warum der FC Bayern Meister wird.

Eine Nachrüstung im Winter lehnten die Chefs mangels aktuell verfügbarer Verstärkungen ab. Bisher schöpft die Mannschaft keine Sicherheit aus sich selbst heraus, vielleicht ändert sich das, wenn einige der Langzeit-Verletzten (Deisler, Hargreaves, Ismael) zurückkehren. Ansonsten spricht für die Bayern, dass sich bislang kein Konkurrent absetzen konnte und es sich in der Vergangenheit schon oft als fahrlässig erwiesen hat, die Bayern frühzeitig abzuschreiben. Übersetzt ins Uli-hoeneßsche: „Der Nikolaus war noch nie ein Osterhase.“

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