Sport : Das Berliner Duo Pechstein und Garbrecht jubelt

Ein Stolperschritt einen Meter vor dem Ziel kostete Gunda Niemann-Stirnemann den Sieg. Aber die deutschen Eisschnellläuferinnen haben zum Auftakt der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Nagano die Erfolgs-Serie der Saison trotzdem fortgesetzt. Nach dem Titelgewinn der 31-jährigen Monique Garbrecht (Berlin) im 500-m-Wettbewerb setzten deren Trainingskameradin Claudia Pechstein als Gewinnerin über 3000 m und Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt) als knapp bezwungene Zweite die hervorragende Vorstellung der deutschen Mannschaft fort.

Die aktuellen Weltmeisterinnen im großen Vierkampf, Claudia Pechstein, und im Sprint-Vierkampf, Monique Garbrecht, holten damit auch auf den ersten Einzeldistanzen Gold. Beide werden vom Berliner Achim Franke trainiert, der in Nagano nach seiner Gallenoperation fehlt. Vor allem der Zweikampf der 28-jährigen Berlinerin Pechstein mit der fünfeinhalb Jahre älteren 16-maligen Weltmeisterin Niemann-Stirnemann riss die Zuschauer von den Sitzen. Fünftausend Meter lang lieferten sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, begannen relativ langsam, steigerten sich, um dann immer schnellere Runden zu laufen. Erst zwei Meter vor dem Ziel gab der Stolperschritt der Erfurterin den Ausschlag zu Gunsten von Pechstein.

"Claudia ist ein sehr gutes Rennen gelaufen, und ich war auch nicht schlecht", kommentierte die Thüringerin, die zum ersten Mal in der Geschichte der Einzel-WM ein Rennen über 3000 m verlor, nachdem sie vier Mal gewinnen konnte. "Das war aber noch keine Wachablösung", meinte Claudia Pechstein, "aber es ist einfach Zeit, dass auch mal andere gewinnen."

Monique Garbrecht hat nur fünf Tage nach dem Gewinn des WM-Titels im Sprintvierkampf ihren ersten Titel auf einer Einzelstrecke gewonnen. Dabei waren erneut ihre guten Nerven ausschlaggebend. Im ersten Rennen des zweigeteilten 500-m-Wettbewerbs kam die Berlinerin knapp geschlagen auf Rang zwei. Aber beim zweiten Ablauf war niemand schneller, die überraschende Gewinnerin des ersten Laufes, Andrea Nuyt (Niederlande), zeigte Unsicherheiten und fiel zurück. "Mir standen die Tränen in den Augen. Man kann fast Angst bekommen, wenn man die erfolgreiche Woche Revue passieren lässt", meinte Garbrecht. Profitiert hatte sie aber auch von einem Strauchler der Russin Schurowa, die im ersten Rennen mit der deutlich schnellsten Zeit gestartet war. Doch dann stolperte sie in der Kurve und vergab frühzeitig die Chance auf den Titel.

Die Eisschnellläufer mussten auch bei ihrem letzten Saisonhöhepunkt Härte beweisen. Während außerhalb der M-Wave-Halle in Nagano Frühling mit Sonnenschein herrschte, verloren sich in der Olympia-Wettkampfstätte von 1998 wenige Hundert Zuschauer bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Gut zwei Drittel davon waren Schulklassen. Unterkühlt wie die Halle begann auch Frank Dittrich aus Chemnitz sein Rennen über 5000 m, in dem er als Vierter knapp die erste Medaille für das deutsche Team verpasste.

Der lange Chemnitzer ließ seinen stürmisch beginnenden Laufpartner Keiji Shirahata (Japan) zu Beginn weit ziehen und kam trotz der schnelleren Runden am Ende in 6:32,62 Minuten nicht mehr ganz an den Asiaten heran, der mit 1,46 Sekunden Vorsprung Bronze gewann. Den Sieg machten im folgenden Rennen wie erwartet die Niederländer unter sich aus. Der erfolgreiche Titelverteidiger Gianni Romme (6:23,31) und Bob de Jong (6:25,40) waren eine Klasse besser als alle anderen.

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