Sport : Das Berliner Eistanzpaar Winkler/Loose harrt für einen Traum aus

Andreas Müller

Ständig ziehen die Touristen zu Tausenden durch Oberstdorf. Während draußen die Fremden erholt und gut gelaunt die Idylle am Fuße des Nebelhorns bestaunen, studieren Kati Winkler und René Lohse in der Eishalle am Ort ihre Programme für den kommenden Winter ein. Blass, übermüdet und angestrengt sehen die beiden Berliner aus. Nur eine Woche Urlaub blieb dem besten deutschen Eistanz-Paar nach der vorigen Saison. Im Mai mussten die beiden Sportsoldaten zum obligatorischen Lehrgang bei der Bundeswehr einrücken. Seit Juni sind sie von Proben für Pflicht, Originaltänze sowie die neue Kür in Anspruch genommen. Erst recht in den wenigen Wochen, die ihr Choreograph Chris Bogearts aus Belgien im Allgäu vorbeigekommen ist, gilt es keine Minute zu verschenken. Training rund um die Uhr. "Wenn wir eine Einheit auslassen, haben wir ein schlechtes Gewissen, dass wir Zeit verschenken."

"Uns fehlt die Großstadt sehr", bekennt das Eispaar unisono. In ihrer Wahlheimat fehlt ein Ballettsaal, den sie dringend bräuchten. Vor allem vermissen sie Theater, Opern- und Konzerthäuser, die sie keineswegs als Freizeitparadies in Erinnerung haben, sondern die für Eistänzer der internationalen Spitzenklasse unabdingbar seien, "um Ideen und Anregungen für unseren Sport zu bekommen." Manchmal empfinden die beiden 25 Jahre alten weltoffenen Berliner ihre Wahlheimat inmitten der Holzhäuser und geraniengeschmückter Balkons unerträglich. "Kein Wunder, dass wir uns auf jede Wettkampfreise doppelt freuen." Bis sie die süddeutsche Provinz das nächste Mal mit der großen Welt vertauschen dürfen, werden noch einige quälende Wochen ins bayerische Oberland gehen. "Manchmal überlegen wir, wie schön es wäre, wenn wir mit unserem Trainer Martin Skotnicki für ein paar Wochen woanders arbeiten könnten. Das geht leider nicht. Erstens kostet es Geld. Zweitens würden viele Funktionäre sagen: Was wollt ihr denn, in Oberstdorf sind doch die Bedingungen optimal. Außerdem betreut unser Trainer hier noch andere Paare und kann nicht weg."

Das Leben in der Fremde wollen sie noch drei Jahre durchhalten. Die Familie, Freunde und den Hund haben sie 1996 in Berlin zurückgelassen, um unter den Fittichen des renommierten Martin Skotnicki zu trainieren. Sportlich haben sich die mit dem Umzug verbundenen Entbehrungen gelohnt. Mit Platz zehn kehrten sie von Olympia aus Nagano zurück. Mit Rang sieben bei der WM 1999 klopften sie bei den Assen der Szene an die Tür. "Bis zu den Olympischen Spielen in Salt Lake City wollen wir weitermachen. Und haben uns neue Etappenziele vorgenommen", sagen die Berliner. "Deshalb können wir von hier nicht einfach abhauen."

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