Sport : Das Beste am Ende

Christian Hönicke

Es gibt zwei entscheidende Punkte bei der Beurteilung von Helden: den ersten Eindruck und den letzten. Von Michael Schumacher, dem Mann, der sämtliche Rekorde in der Formel 1 pulverisierte, wird die Einschätzung bleiben, dass er selbst in der Stunde des Abschieds vom Rennsport noch einmal neue Maßstäbe gesetzt hat. Er ging nicht mit einem Sieg, er ging nicht mit dem WM-Titel, wie es Jackie Stewart 1973 und Alain Prost zwanzig Jahre später gelang. Aber er ging auf eine Weise, wie es bisher keinem anderen Formel-1-Piloten gelungen ist: mit einem der besten Rennen seiner Karriere. Die Aufholjagd von São Paulo zeigte einen Schumacher in Bestform, der auch in seinem letzten Grand Prix wohl von niemandem hätte bezwungen werden können, hätten ihn nicht ein technischer Defekt und ein Reifenschaden ereilt. Angesichts der unglaublichen Zahl von 91 Siegen, die der 37-Jährige vorher eingefahren hatte, ist diese Leistung eine seiner größten überhaupt.

Michael Schumacher hat es geschafft, seinen letzten Eindruck in der Formel 1 so zu gestalten, dass man ihn in Erinnerung behalten wird, wie er wirklich war: Zum einen als Menschen, der große Schwierigkeiten damit hat, seine Emotionen öffentlich zu zeigen. Aber vor allem als einen herausragenden Artisten am Lenkrad, der niemals resigniert und alles gibt, bis zum letzten Zielstrich. Und als einen Rennfahrhelden, streitbar, fehlbar und besiegbar zwar – aber doch immer irgendwie über allen anderen.

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