Sport : Das beste Golf seines Lebens

Bernhard Langer bekämpft das Problem des Alterns mit Major-Turniersiegen auf der Senioren-Tour

Petra Himmel
Stoiker auf dem Grün. Bernhard Langer überzeugt auch mit 52 Jahren durch seine endlose Geduld und enorme Konzentrationsfähigkeit. Foto: AFP
Stoiker auf dem Grün. Bernhard Langer überzeugt auch mit 52 Jahren durch seine endlose Geduld und enorme Konzentrationsfähigkeit....Foto: AFP

Nein, Bernhard Langer war nicht wirklich bester Stimmung, als er vergangene Woche von Turnierort zu Turnierort hetzte. „Es ist schrecklich, es ist wirklich schrecklich, dass wir Alten in zwei aufeinanderfolgenden Wochen zwei Majors spielen müssen“, sagte der Golfprofi, „so etwas müssen die Jungen nicht.“ Zuerst die British Open der Senioren im schottischen Carnoustie, dann weiter zu den US Open der Senioren im Sahalee Country Club bei Seattle. Dazwischen lagen acht Stunden Zeitunterschied und ein kräftezehrender Transatlantikflug.

Stress hin oder her – Bernhard Langer hat dann trotzdem gewonnen, zuerst in Carnoustie und eine Woche später in den USA. Zwei Major-Titel im Schnelldurchgang in zwei Wochen hintereinander – das hat in der Geschichte des Golfsports noch nie ein Spieler geschafft. Ein neuer Rekord also für den 52-jährigen Langer, der dafür nur eine Begründung findet: „Ich habe in den letzten zwei Jahren so ziemlich das beste Golf meines Lebens gespielt.“

Besser gar als Mitte der Achtziger- und Neunzigerjahre, als Langer zu den dominierenden Spielern Europas gehörte und mit seinen zwei Major-Titeln bei den US Masters in Augusta National 1985 und 1993 für Aufsehen sorgte? Wer den zweifachen Major-Sieger der Senioren mit dem zweifachen Major-Sieger der Herren vergleichen will, muss viele Faktoren bedenken. In den Rekordbüchern sind es zuerst die normalen Major-Siege, die zählen. Langer räumt daher ein, dass die Seniorentitel nicht die gleiche Wertigkeit haben: „Ich wollte immer die British Open gewinnen. Es ist mir nie gelungen, das hier ist auf jeden Fall die bestmögliche Alternative.“ Gleichzusetzen sind die Seniorentitel schon deshalb nicht, weil die Plätze bei den Turnieren kürzer sind, die Spielbahnen breiter.

Auch deshalb ist Bernhard Langer bei normalen Major-Turnieren nur noch dann wettbewerbsfähig, wenn er den Platz wie in Augusta National extrem gut kennt und sich obendrein während der Turnierwoche gerade in Hochform befindet. Dass auch über 50-Jährige unter solchen Umständen Titelchancen haben, hat zuletzt Tom Watson bewiesen, der 2009 in Turnberry mit 60 Jahren beinahe British-Open-Sieger geworden wäre. Passt alles zusammen beim Spiel der alten Herren, dann punkten sie mit viel Erfahrung und hohem strategischen Können – zwei Faktoren, die bei Major-Turnieren mit hohem mentalen Stress weit höher einzuordnen sind als zum Beispiel die Fähigkeit, den Ball weit zu schlagen.

Trotzdem bleibt Bernhard Langer international eine Ausnahmeerscheinung. Wer einen Blick auf jene Kollegen wirft, die mit ihm zusammen lange Europas Golf dominierten, kann die heutigen Leistungen des Deutschen erst richtig schätzen. Severiano Ballesteros, inzwischen 53 Jahre alt, glänzte bis 1988 mit fünf Major-Siegen. Sein Schwunggefühl aber ging ihm ab seinem 40. Geburtstag zunehmend verloren. Sein britischer Konkurrent Nick Faldo, erfolgreichster Ryder-Cup-Spieler aller Zeiten, beschäftigt sich fast ausschließlich mit seinen Aufgaben als TV-Kommentator und Golfplatzdesigner. Die Briten Ian Woosnam und Sandy Lyle trifft Langer ab und an bei Golfturnieren – als ebenbürtige Konkurrenz würde er sie schon deshalb nicht mehr betrachten, weil er ihnen körperlich deutlich überlegen ist.

Im Falle von Langer ergeben vor allem drei Faktoren das Erfolgsrezept: Sein rigides Fitnessregime hat dazu geführt, dass er noch immer vergleichsweise wenig Verletzungsprobleme hat. Daneben hat er sich die Lust am Training und die Freude auf Turniergolf erhalten. „Mein Bruder tut nichts lieber, als ein Golfturnier spielen“, hat Erwin Langer oft auf die Frage geantwortet, wie dieser wohl seine Zeit verbringen werde. Vor allem aber hat Bernhard Langer sich seine schier endlose Geduld und seine enorme Konzentrationsfähigkeit erhalten. Für seine Konkurrenten ist Langer stets ein bewundernswerter Stoiker gewesen. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Die Problematik des Alterns jedenfalls hat er offenbar im Griff.

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