Sport : Das beste Klima für die Niere

Ivan Klasnic wechselt von Bremen zum FC Nantes

Frank Hellmann

Bremen - Das Trikot, das Ivan Klasnic künftig trägt, ist gewöhnungsbedürftig: kanariengelb die Grundfarbe, die Spielernamen in giftgrünen Großbuchstaben auf den Rücken gedruckt. Der 28-Jährige hat etwas skeptisch geschaut, als er am Mittwochabend als Neuzugang des FC Nantes präsentiert wurde. Aber mit auffälliger Arbeitskluft kennt sich der gebürtige Hamburger mit kroatischem Pass aus, der bei Werder Bremen seine beste Phase hatte, als die Hanseaten in papageienfarbenem Grün-Orange auftraten.

Wichtig ist nur, dass das neue Jersey passt und der Angreifer die noch ausstehende medizinische Untersuchung übersteht. Von Klasnics Leidensgeschichte, seiner erst im zweiten Anlauf geglückten Nierentransplantation, ist man natürlich in Nantes informiert. Vorbehalte kennt man offenbar kaum: Ein üppig dotierter Vierjahresvertrag ist mit dem 151-maligem Bundesligaspieler fertig ausgehandelt. Vor allem seine beiden Tore bei der Europameisterschaft für Kroatien – der Siegtreffer gegen Polen, der Beinahe-Siegtreffer gegen die Türkei – haben den Marktwert noch einmal steigen lassen, nachdem sich Klasnic wegen des Zerwürfnisses mit Werders Mannschaftsarzt Götz Dimanski nicht auf eine Vertragsverlängerung in Bremen einlassen wollte. Und von interessierten Bundesligisten hat der leidenschaftliche Pokerspieler zu viel Geld gefordert, zeitweise war von Gehaltsforderungen von bis zu 1,9 Millionen Euro netto die Rede, was Klasnic aber stets bestritt. Als Triebfeder des Auslandswechsels, der ein bisschen wie eine Flucht wirkt, gilt Ehefrau Patricia, die im April in der ARD-Sendung Beckmann die Werder-Verantwortlichen unversöhnlich attackierte. Das Ende seiner siebenjährigen Bremer Zeit war damit im Grunde besiegelt.

Dennoch darf debattiert werden, ob die wochenlange Vereinssuche wirklich mit einer Wunschlösung endet. Gewiss, Klasnic nennt den achtfachen Französischen Meister ambitioniert. Zuletzt aber musste sich der Profi, der stets ohne Berater ausgekommen war, sogar einen Agenten nehmen, um bei der Vielzahl vermeintlicher Angebote den Überblick zu behalten: Angeblich wollten ihn die Türken von Kayserispor verpflichten, es war von RCD Mallorca und CA Osasuna aus Spanien die Rede, schließlich führten Spuren zu West Ham United und Wigan Athletic auf die Insel. Dann hieß es, zu viel Sonne (in der Türkei) wäre wegen des erhöhten Hautkrebsrisikos für Nierentransplantierte nicht dienlich oder der viele Regen (in England) könnte das Infektionsrisiko steigern.

Nun also Nantes: Das Klima in der Hafenstadt an der Atlantikküste ist rau, aber nicht viel anders als in Bremen, jährliche Durchschnittstemperatur 12 Grad Celsius. Nur ist es nicht lange her, da war die Stimmung der Fans des FC Nantes auf dem Tiefpunkt. Der Champions-League- Halbfinalist von 1996, über Jahrzehnte gerühmt für seine Jugendarbeit und 35 Jahre lang (1970 – 2005) vom Manager Robert Budzynski geführt, drohte im vergangenen Jahr die Pleite. Nach der Demission des allmächtigen Funktionärs waren die „Canaris“ prompt das erste Mal in der Vereinsgeschichte abgestiegen. Für die Rettung sorgte der polnischstämmige Millionär Waldemar Kita, der den Zweitligisten für den Spottpreis von zehn Millionen Euro aufkaufte. Nach dem Wiederaufstieg sehnt sich der Mäzen nach prominenten Namen und posiert auf der vereinseigenen Internetseite bereits mit Klasnic. Sein Geltungsdrang ist auch in der Schweiz berüchtigt: Kita hatte maßgeblich den Konkurs von Lausanne-Sports zu verantworten, wo er ein finanzielles Chaos anrichtete und sich 2001 ohne Nachfolgeregelung zurückzog. Nun hat er ein neues Betätigungsfeld beim französischen Traditionsverein gefunden, bei dem Spieler wie Jorge Burruchaga, Marcel Desailly, Didier Deschamps, Christian Karambeu oder Claude Makelele in den 80er- und 90er-Jahren groß wurden, ehe sie sich ruhmreichere Arbeitgeber suchten. Ivan Klasnic, das glaubt Kita, wird dem Klub helfen, wieder ganz nach oben zu kommen. Frank Hellmann

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