Sport : Das bisschen Haushalt

19 Millionen Euro an Verbindlichkeiten drücken Hertha BSC – die Champions League käme da gerade recht

Michael Rosentritt

Berlin - Die Aussicht, in den beiden ausstehenden Spielen doch noch die Champions League zu erreichen, hat sich tief ins Bewusstsein der handelnden Personen von Hertha BSC gegraben. Würden die Berliner nach 1999 zum zweiten Mal den lukrativsten internationalen Wettbewerb erreichen, wäre der Klub eine große Sorge los. Denn die finanzielle Lage ist angespannt: Verbindlichkeiten in Höhe von 19 Millionen Euro drücken den Verein.

Es handelt sich vor allem um kurzfristige Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten. „Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Geschäftsjahre war nicht befriedigend“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Wir werden in den nächsten zwei, drei Jahren jeden Euro umdrehen müssen.“ Allein zwischen 2001 und 2004 türmte sich ein Minus von 16 Millionen Euro auf. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Rund 15 Millionen Euro hat Hertha in die Infrastruktur gesteckt, „eine Investition in die Zukunft“, sagt Hoeneß. Der vier Jahre währende Stadionumbau und die Kirch-Krise haben die Einnahmesituation nachhaltig negativ beeinflusst. Dazu gab Hertha seit 1997 knapp 50 Millionen Euro für Spielertransfers aus. „Wir haben aber keine existenzbedrohende Situation, wir sind liquide“, sagt Rupert Scholz, Herthas Aufsichtsratsvorsitzender.

Da bei Hertha eine bilanzielle Überschuldung vorliegt, bediente sich der Verein ähnlicher Instrumente wie Borussia Dortmund und Schalke 04. Hertha schloss mit Hauptsponsor Arcor (bis 2006) und Ausrüster Nike (2009) langfristige Verträge. Einen Teil der Gesamtsumme (bis zu 40 Prozent) wurde als so genannte „Signing fee“ direkt nach der Vertragsunterzeichnung gezahlt. Zudem hat Hertha Rechte an Logen, Skyboxen und Business-Seats im Olympiastadion für insgesamt 15 Millionen Euro verkauft. Dafür muss der Verein bis zum Jahr 2010 Leasing-Raten an die „AGV Vermarktungsrechte Vermietungsgesellschaft“ zahlen. Und: Im Januar legte Hertha als erster Bundesligist überhaupt eine Anleihe über sechs Millionen Euro auf. Diese Inhaber-Schuldverschreibungen verkaufen sich gut. Bisher sind rund 4,5 Millionen Euro gezeichnet.

Zudem will Hertha beim Londoner Finanzmakler Stephen Schechter eine Anleihe von bis zu 35 Millionen Euro aufnehmen, die in einem Zeitraum von 13 bis 17 Jahren zurückgezahlt wird. Schalke 04 hat sich bei Schechter sogar 85 Millionen Euro geliehen. Die Gelsenkirchener haben Verbindlichkeiten von 112 Millionen Euro. „Vergleichen Sie uns bitte nicht mit Schalke“, sagt Hoeneß. Doch auch eine kleinere Anleihe ist eine Wette auf die Zukunft. Bleibt der sportliche Erfolg aus, wird es Einschnitte geben. „Der Risiken sind wir uns bewusst, sehen aber auch die Chancen“, sagt Hoeneß. Momentan befinden sich die Zinsen auf einem historischen Tief. Mit der Schechter-Anleihe will Hertha die kurzfristigen Verbindlichkeiten bedienen. „Das machen wir, selbst wenn wir jetzt die Champions League erreichen“, sagt Hoeneß. „Aber wir verhandeln nicht nur mit Schechter, sondern prüfen auch andere Optionen.“ Mittelfristig will Hertha BSC einen so genannten strategischen Partner gewinnen. So kaufte sich Adidas 2001 bei Bayern München ein. Eine zehnprozentige Beteiligung war dem Sportartikelhersteller 76,6 Millionen Euro wert.

Intern hat sich Hertha das Ziel gesetzt, im operativen Geschäft eine schwarze Null zu schreiben. Dafür müssen die Personalkosten heruntergefahren werden. Die Champions League wäre also ein Segen. Rund elf Millionen Euro Einnahmen sind in der ersten Gruppenphase zu erwarten. Doch egal, ob Hertha im Uefa-Cup oder in der Champions League spielt – „wir reden über einen Stürmer, den wir holen werden, und nicht mehr“, sagt Hoeneß. Der Schuldenabbau hat Vorrang.

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