Sport : Das Chaos im Regen von São Paulo

Räikkönen wird zum Abbruch-Sieger beim Großen Preis von Brasilien erklärt

Karin Sturm

São Paulo. Formel 1 verrückt: Da hat man eines der wenigen Rennen, das zur Hauptsendezeit im Fernsehen in Europa läuft - und dann können die besten Fahrer in den besten Autos der Welt kaum fahren, sie fliegen teilweise wie Anfänger von der Strecke, und das alles dank der neuen Regel, die nur noch einen Typ Regenreifen erlaubt. Beim Großen Preis von Brasilien in Interlagos bei São Paulo gab es Unfälle en masse und nach 54 Runden einen Abbruch, nachdem sich der Spanier Fernando Alonso im Renault nach einem Crash auch noch leicht verletzte und Trümmer auf der Strecke lagen.

Um das Chaos perfekt zu machen, war der zu diesem Zeitpunkt führende Jordan-Pilot Giancarlo Fisichella dann auch nicht der Sieger. Es wird nämlich die letzte komplette Runde gewertet, und das war Nummer 53, als noch Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes vorne gelegen hatte. Der in der WM-Wertung führende Finne feierte mit dem McLaren-Mercedes zwei Wochen nach seinem ersten Platz in Malaysia seinen zweiten Grand-Prix-Sieg in Folge und den dritten Erfolg für die Silberpfeile im dritten Saisonrennen. „Vielleicht ist der Sieg etwas glücklich, aber Sieg ist Sieg. Es war ein schwieriges Rennen mit einer Safety-Car-Phase nach der anderen“, meinte Räikkönen.

Das Chaos zeichnete sich schon am Vormittag ab, als ein Wolkenbruch die Strecke unter Wasser setzte. Die Fahrerparade wurde abgesagt, im Pressezentrum sorgte ein Wassereinbruch für Aufregung, zahlreiche Telefonleitungen standen unter Wasser, brachen zusammen. Danach schien es aber wieder ein bisschen besser zu werden. „Wir werden halt mal hinter dem Safety-Car starten und dann weitersehen“, sagte Weltmeister Michael Schumacher. Doch 20 Minuten vor dem Start begann wieder der Regen, um 13.55 Uhr musste auch der geplante Safety-Car-Start erst einmal verschoben werden. Um 14.15 Uhr ging es dann doch los. Bis zur achten Runde sah es nach einem normalen Rennen aus. David Coulthard gewann den Start gegen Rubens Barrichello, aus der zweiten Reihe kämpfte sich Kimi Räikkönen nach vorne. Aber dann war es mit der Normalität auch schon wieder vorbei.

Erst brach am Jordan von Ralf Firman mitten auf der Start-Ziel-Geraden die Aufhängung, das rechte Vorderrad knickte weg, der Engländer knallte in den Toyota von Olivier Panis – erneut musste das Safety-Car auf die Piste. Kurz nachdem die Strecke wieder freigegeben war, häuften sich die Unfälle ausgangs des Senna-Kurve, wo immer noch das Wasser stand: Justin Wilson im Minardi machte den Anfang, dann erwischte es Montoya, Pizzonia, der beinahe in den BMW-Williams des Kolumbianers hineingekracht wäre, dann war Michael Schumacher das nächste Opfer. Der Weltmeister war nachher zu Recht doppelt sauer: Nicht nur über seinen erneuten Ausfall, auch darüber, dass an der Unfallstelle zu dem Zeitpunkt noch ein Streckensicherungsfahrzeug stand. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich das getroffen hätte“, sagte der Ferrari-Pilot. Noch zweimal musste dann das Safety-Car nach weiteren Crashs auf die Strecke, ehe der endgültige Abbruch kam.

Der Himmel weinte in Interlagos nicht nur über das Chaos, er weinte auch mit Lokalmatador Rubens Barrichello, der mit guten Siegchancen in der 46. Runde in Führung liegend wieder einmal mit technischem Defekt ausfiel, und das zum neunten Mal in seinem zehnten Heim-Rennen. Tausende Brasilianer, die kurz zuvor noch gejubelt hatten, als Barrichello David Coulthard die Führung abjagte, verließen enttäuscht die Strecke.

Coulthard, der die meiste Zeit des Rennens über geführt hatte, wurde nur Vierter, weil er kurz vor dem Abbruch an der Box gewesen war. Ähnliches Pech hatte Ralf Schumacher, der zeitweise sicherer Dritter zu sein schien, so aber nur Neunter wurde. Eine Starke Leistung bot Heinz-Harald Frentzen im Sauber, der angesichts des Regens aus der Boxengasse startete. Dadurch konnte er mit einem voll getankten Auto ins Rennen gehen, kam mit einem Boxenstopp durch und wurde am Ende Fünfter. Nick Heidfeld im zweiten Sauber war schon gleich zu Beginn mit Motorschaden ausgefallen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben