Das Comeback der Ana Ivanovic : Wiedersehen mit einem Liebling

Ana Ivanovic gewinnt bei den Australian Open gegen Serena Williams und meldet sich nach langer Zeit in der Weltspitze zurück.

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Kaum zu glauben. Ana Ivanovic kann wieder große Matches gewinnen.
Kaum zu glauben. Ana Ivanovic kann wieder große Matches gewinnen.Foto: AFP

Ana Ivanovic quiekte und hüpfte vor Glück über den Platz, und die 15 000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena teilten diesen seligen Moment mit ihr. Sie lieben die Serbin hier ohnehin, und nun hatte sie auch noch das kaum Mögliche geschafft: Ivanovic bezwang Serena Williams im Achtelfinale der Australian Open mit 4:6, 6:3 und 6:3. „Ich kann es überhaupt nicht glauben“, sprudelte es aus der 26-Jährigen heraus, „das ist einer der schönsten Siege meiner Karriere.“ Und das sagt eine, die schon mal die French Open gewonnen hat und die Nummer eins der Welt gewesen ist. Aber das ist sechs lange Jahre her, und seither hat sie nur sehr selten Grund zum Jubeln gehabt. Doch nun ist Ana Ivanovic wieder da, und ganz Melbourne steht Kopf. Der Applaus tobte durch die Arena, sie johlten und skandierten ihren Namen. Und Ivanovic schenkte der Menge dafür ihr hinreißendes Lächeln. „Ihr seid einfach unglaublich“, rief sie ihnen zu. Und dabei hatte Ivanovic in der Runde zuvor in Samantha Stosur gar einen der australischen Lieblinge aus dem Turnier befördert. Aber ihr kann man einfach nicht böse sein. Die Herzen der Menschen erobert Ivanovic genauso schnell, wie sie mit 20 Jahren den Tennisolymp erstürmt hatte.

Williams derweil schulterte ihre erdbeerfarbene Tasche passend zu ihrem Outfit und verließ gesenkten Hauptes das Stadion. Nach 25 Siegen in Serie hatte die Weltranglistenerste erstmals wieder verloren, es würde also erneut nichts werden mit ihrem sechsten Titel auf dem fünften Kontinent. 2010 gewann die alles bestimmende Kraft im Frauentennis zuletzt in Melbourne, seither kam ihr beim ersten Saisonhighlight immer eine Verletzung dazwischen. Dieses Mal auch. Der Rücken plagte die 32 Jahre alte Amerikanerin schon seit einigen Tagen. „Eigentlich wollte ich gar nicht antreten“, erklärte Williams, „aber ich habe die stärksten Medikamente genommen, die erlaubt waren.“ Zu sehr gehandicapt wirkte sie nicht, dennoch war erkennbar, dass Williams sich nicht ganz so gut bewegte wie gewöhnlich. Und wo sie sonst mit ihrer brachialen Aggressivität Gewinnschläge im Stakkatostil abfeuert, gelangen ihr mit der Vor- und Rückhand bloß eine Handvoll. Dafür habe sie „so viele Fehler gemacht, wie zuletzt in den achtziger Jahren“, konstatierte sie.

Ivanovic feuerte dagegen 33 Winner ab, erarbeitete sich 14 Breakchancen und spielte mit so viel Willen und Leidenschaft wie in ihren besten Tagen. Williams überließ ihr nicht die Partie, sondern Ivanovic holte sich den Sieg. Mit aller Macht – das musste sie, denn die Amerikanerin hatte in Australien erst eine einzige Partie noch verloren, nachdem sie den ersten Satz gewonnen hatte. In Williams’ gesamter Grand-Slam-Historie war das überhaupt erst sechsmal vorgekommen. Selbst angeschlagen ist die 17-malige Major-Siegerin kaum zu bezwingen. „Ich habe so fest an mich geglaubt“, betonte Ivanovic, und das war in den vier Begegnungen zuvor mit Williams nicht der Fall gewesen. Nicht einen einzigen Satz konnte die Serbin bis zu diesem Nachmittag in der Rod-Laver-Arena gegen sie gewinnen. Und die Selbstzweifel waren ohnehin ihr jahrelanger Begleiter gewesen, nachdem der große Erfolg viel zu früh und viel zu schnell über sie hereingebrochen war.

„Ich steckte in einem Teufelskreis, war oft verletzt und verlor danach gegen schwächere Gegnerinnen“, erinnerte sich Ivanovic. Das Selbstvertrauen war dahin, sie rutschte in der Rangliste immer weiter ab. Zudem verschliss sie innerhalb von fünf Jahren neun Trainer. „Ich hatte einfach ein Problem damit, dass ich sagen musste, wo es lang geht“, erklärte sie die Misere, „ich war wohl eine schlechte Chefin.“ Mittlerweile hat sie die Kurve gekriegt, hat seit kurzem ihre Landsmänner Nemanja Kontic und Zlatko Novkovic als Coach und Fitnesstrainer um sich. Die Chemie stimmt. „Sie stehen wirklich hinter mir. Und auch wenn ich mal zweifle – sie tun es nicht“, sagte Ivanovic, die bereits wieder auf Rang 14 der Weltrangliste steht. „Ich denke, dass meine Leidenszeit jetzt vorbei ist. Ich fühle, dass ich wieder erfolgreich sein kann.“

In diesem Jahr konnte sie noch niemand bezwingen. Und nach dem Coup gegen Serena Williams ist Ivanovic in Melbourne wohl alles zuzutrauen.

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