Sport : Das Defensiv-Problem

Warum Albas Basketballer auch das Spitzenspiel gegen Leverkusen verloren

Helen Ruwald

Berlin - Julius Jenkins war ein gefragter Mann. Mehrfach musste der Basketballprofi am Samstagabend im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle ein Gespräch unterbrechen, um Autogramme zu geben oder sich fotografieren zu lassen. Der US-Amerikaner ließ es gelassen über sich ergehen, auch wenn er sicher lieber der begehrte Matchwinner als der Verlierer des Abends gewesen wäre. 22 Punkte hatte Jenkins gemacht, der 23. blieb ihm verwehrt: Sekunden vor dem Ende setzte er beim Stand von 89:91 im Spitzenspiel gegen die Bayer Giants Leverkusen den ersten von zwei Freiwürfen an den Ring. Alba Berlin verlor 90:93.

Zehn Punkte Vorsprung hatte Alba im letzten Spielabschnitt bereits gehabt, ehe der scheinbar schon geschlagene Tabellendritte Leverkusen in kürzester Zeit aufholte. Alba hingegen ließ eigene Chancen ungenutzt und konnte beim Stand von 89:89 zwei Offensivrebounds nicht nutzen. Vorne wie hinten sei es zum Schluss „furchtbar gelaufen“, sagt Jenkins. Er selbst und Bobby Brown (24) steuerten mehr als die Hälfte aller Alba-Punkte bei und bekamen zu wenig Unterstützung von ihren wenig treffsicheren Teamkollegen. Kapitän Patrick Femerling enttäuschte mit vier Punkten. „Leverkusen hat seit Wochen einen Lauf, sie haben am Ende schwierige Würfe getroffen, wir einfache nicht“, sagt Alba Berlins Sportdirektor Henning Harnisch. „Aber wenn man zuhause 93 Punkte kriegt, liegt es vor allem an der Defensive.“ Für Alba war es die zweite Heimniederlage in einem Spitzenspiel in Folge. „Das nervt“, sagt Harnisch, „die Halle ist voll, man will zeigen, was man kann und verliert.“

Vor drei Wochen siegten bereits die Artland Dragons Quakenbrück in Berlin. Damals hatten Femerling wie Jenkins zugegeben, dass Alba nicht aggressiv genug gespielt habe. Am Samstag hingegen konnte man den Berlinern keinen mangelnden Einsatz unterstellen. Sie hatten das Spiel phasenweise bestimmt, ehe sie in den letzten Minuten den Sieg aus der Hand gaben. Für Albas Assistenztrainer Konstantin Lwowsky war auch gar nicht die Schlussphase der Knackpunkt: „Anfang der zweiten Halbzeit haben wir es versäumt alles klar zu machen. Dass Leverkusen von den Toten auferstehen kann, war bekannt.“ Eigentlich hatte Alba es als Plus gesehen, dass fast alles Topteams in der Rückrunde in Berlin antreten müssen. Am kommenden Samstag steht der Auftritt gegen den Tabellensiebten Köln 99ers an. In Köln. Vielleicht gelingt es Alba ja, statt des Heimvorteils den Auswärtsnachteil zu nutzen.

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