Sport : Das deutsche Luxusproblem

Zu viele Kombinierer sind gut genug für Olympia

Benedikt Voigt

Schonach - Am vergangenen Montag musste Helmut Weinbuch seinen Athleten eine unangenehme Nachricht überbringen. Als er sie in einem Hotel in Ruhpolding versammelte, dürften einige von ihnen bereits geahnt haben, was der Bundestrainer der Nordischen Kombination ihnen zu sagen hatte. „Ich habe erklärt, dass sie ihre Weltcup-Ergebnisse in den nächsten Wochen bestätigen müssen, wenn sie nach Turin wollen“, erzählt Weinbuch. Mancher, der sich bereits für die Olympischen Spiele qualifiziert glaubte, muss nun wieder zittern.

Die deutschen Kombinierer haben eine luxuriöse Sorge: Sie sind zu erfolgreich. Sechs von ihnen haben bereits die Kriterien des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) erfüllt, ein Siebter, Matthias Menz, hat sie zur Hälfte erreicht, und fünf weitere machen sich ebenfalls noch große Hoffnungen auf Olympia. Das sind zu viele. „Wir dürfen nur sechs Kombinierer nach Turin mitnehmen“, sagt Sprungtrainer Andreas Bauer. Nun haben die Trainer die Kriterien verschärft, die bisherigen Ergebnisse müssen in den nächsten Wochen bestätigt werden. Ein Erfolg aus dem November gilt nicht mehr so viel wie ein Erfolg jetzt im Januar. Heute, bei der letzten Station des Deutschland-Grand-Prix in Schonach (10 Uhr Springen, 13.15 Uhr 15-km-Lauf, live in der ARD), geht es deshalb für die deutschen Kombinierer erneut um die Olympia-Qualifikation.

Ein Platz unter den ersten acht im Weltcup oder zwei Plätze unter den ersten 15 verlangt das NOK. Für die Kombinierer sind diese Vorgaben zu anspruchslos. „Wir haben gefragt, ob wir strengere Normen haben können“, sagt Bauer. Für die WM im Februar in Oberstdorf mussten seine Athleten zweimal unter die besten acht im Weltcup kommen. Doch das NOK lehnte schärfere Normen ab.

Allerdings stehen in der Kombination nicht alle sechs Plätze zur Disposition. Drei sind vergeben. Doppelweltmeister Ronny Ackermann muss nach vier zweiten Plätzen im Weltcup nicht bangen. Auch Vizeweltmeister Björn Kircheisen und Mannschafts-Vizeweltmeister Georg Hettich werden nach Turin fahren. „Sie sind Säulen unserer Mannschaft“, sagt Weinbuch. Für den vierten Platz ist gegenwärtig Jens Gaiser aussichtsreichster Anwärter. Er lief in Ruhpolding beim Sprint-Weltcup auf Platz sechs. „Danach ist das Rennen offen“, sagt Weinbuch. Große Verwunderung dürfte die gewollte Verschärfung der Kriterien unter den Herren der Abteilung Ski alpin auslösen. Von denen hat sich kein Einziger für Turin qualifiziert.

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