Sport : Das deutsche Modell

Die Basketballer von Bayer Leverkusen schaffen mit vielen jungen Spielern und dem Routinier Denis Wucherer Sieg um Sieg

Christiane Mitatselis

Leverkusen. Für die Leverkusener Basketballer war es ein besonderes Lob. Eines, das sie wirklich stolz machte. Denn es kam von Dirk Bauermann, ihrem ehemaligen Meister-Coach. „Bayer spielt derzeit den vielleicht besten Basketball in Deutschland“, sagte der 46-Jährige, nachdem er am Dienstagabend mit seinem GHP Bamberg eine 82:94-Niederlage in der Leverkusener Dopatka-Halle kassiert hatte. „Man muss Heimo Förster und seiner Mannschaft Anerkennung aussprechen“, sagte Bauermann weiter – und hatte Recht: Das junge Team von Bayer-Coach Förster (39) zeigte gegen Bamberg einmal mehr mitreißendes, schnelles Angriffsspiel und überrannte den Vizemeister aus Franken.

Genauso verfuhr Leverkusen zuvor schon mit starken Gegnern wie Meister Alba Berlin oder RheinEnergie Köln. Seit sieben Spielen sind die Bayer-Profis ungeschlagen, bislang machten sie 1073 Punkte – so viele wie keine andere Mannschaft. „Natürlich müssen meine Spieler auch verteidigen, sie dürfen sich aber auch ausleben im Angriff“, sagt Förster. Und das macht den Spielern offensichtlich genauso viel Spaß wie den Leverkusener Zuschauern, die trotz der starken Fußball-Konkurrenz wieder vermehrt zum Basketball gehen. Vielleicht war Bauermanns Lob nicht ganz uneigennützig. Seit Anfang Dezember ist er im Zweitberuf Basketball-Bundestrainer. Von dem, was zurzeit in Leverkusen geschieht, könnte er profitieren.

Weniger Geld vom Konzern

Die Bayer Giants befinden sich im Jahr zwei des Neuaufbaus. Das Konzept sieht vor, mit weniger Geld auszukommen. Bayer verfügt nach Kürzungen des Mutterkonzerns über einen Jahresetat von etwa 1,8 Millionen Euro, Alba Berlin kann mit vier Millionen kalkulieren. Leverkusen setzt deshalb auf junge, deutsche Spieler. Angeführt werden sie vom 30-jährigen Routinier Denis Wucherer, der 2002 nach vierjähriger Abwesenheit zu Bayer zurückkehrte. Ansonsten spielen zwei US-Amerikaner, ein Slowake und ein Däne für die Bayer Giants. In der Starting Five der Leverkusener stehen vier Deutsche – eine Ausnahme in der Bundesliga, in der bei kaum einem Klub zwei Einheimische in der Anfangsformation zu finden sind.

Die Erfolge der Bayer Giants überraschen nicht zuletzt deshalb, da sie zu Beginn der Spielzeit den Abgang von John Best verkraften mussten, der nach Berlin wechselte. Es lief bei der Mannschaft zunächst auch gar nicht gut. Wucherer war noch nicht in Form, Bayer verlor die ersten vier Partien der neuen Saison. Doch Förster und Bayer-Manager Thomas Deuster bewahrten die Ruhe. „Die Mannschaft hat nicht aufgegeben und sehr gut gearbeitet. Es hat Zeit gebraucht, bis sich meine Jungs auf dem Spielfeld so miteinander verstanden, wie sie es auch außerhalb der Halle tun“, sagt Förster. Er ist stolz, und das darf man ihm gerne anmerken. In seinem Team glänzt nicht nur Wucherer, der seine Ballverlust-Quote minimiert hat. Auch der deutsche Flügelspieler Demond Greene, der gegen Bamberg 25 Punkte machte, spielt sich immer mehr in den Vordergrund. Ebenfalls positiv fällt US-Center Ajmal Basit auf. Beide sind 24 und 25 Jahre alt.

Neuer Trainer aus der Oberliga

Als der Chemie-Konzern Bayer den Etat der Giants im Jahr 2002 um etwa ein Drittel kürzte, hätte kaum jemand geglaubt, dass das Nachwuchsmodell so erfolgreich sein könnte. Riskant war schon die Verpflichtung von Förster, der zuvor nur Oberliga-Teams trainiert hatte. Doch der gebürtige Leverkusener selbst glaubte umso mehr an sich, zeigte von Anfang sehr viel Selbstbewusstsein. Seine Idee war es, Wucherer nach Leverkusen zurückzuholen – und um ihn herum ein neues Team aufzubauen.

Förster kennt den Verein gut. 13 Jahre gehörte er als Spieler, der meist auf der Bank saß, dem Profikader der Leverkusener an. Obwohl Förster selten zum Einsatz kam, war er immer der Liebling des Publikums. Er ist für die Fans einer der ihren, der sich stets mit dem Klub identifizierte. Försters Eltern regeln in der Dopatka-Halle seit langer Zeit den Vorverkauf. Mit Manager Deuster ist der Trainer seit Kindheitstagen befreundet.

Der Neuaufbau der Leverkusener ist auf insgesamt drei Jahre angelegt. In der vergangenen Saison schieden die Bayer Giants nach 2:0-Führung gegen die Telekom Baskets Bonn im Play-off-Viertelfinale aus. „In diesem Jahr wollen wir weiter kommen als im letzten Jahr“, sagt Förster. Und danach, im Jahr drei des Neuaufbaus, natürlich noch weiter. Förster ist sich sicher: „Unsere Gegner wollen unseren Lauf stoppen. Ich habe viel Erfahrung und weiß, wie es zu verhindern ist.“ Dirk Bauermanns Lob hat Heimo Förster noch selbstbewusster gemacht: „Er ist mein einziges Vorbild.“

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