Sport : „Das Duell treibt mich an“

Weitsprung-Europameister Reif über WM-Ziele und Konkurrent Bayer

Auf dem Sprung zur Medaille? Christian Reif gehört bei der WM in Südkorea zum Kreis der Favoriten, seitdem er vor einem Jahr Europameister geworden ist. Foto: dpa
Auf dem Sprung zur Medaille? Christian Reif gehört bei der WM in Südkorea zum Kreis der Favoriten, seitdem er vor einem Jahr...Foto: dapd

Herr Reif, vor fast genau einem Jahr sind Sie Europameister im Weitsprung geworden. Was hat sich für Sie verändert?

Es gibt mehr Medientermine und neue Sponsoren. Außerdem nimmt mich die Konkurrenz jetzt ganz anders wahr als früher. Jetzt bin ich der Gejagte.

Sie haben vor Kurzem Ihren Bachelor-Abschluss in Sportwissenschaften und Gesundheits- und Fitnessmanagement gemacht. Konnten Sie Studium und Leistungssport gut verbinden?

Ja. Mir war es immer wichtig, dass ich Sport und Studium gleichzeitig habe. Das war vor allem während meiner Verletzung bedeutsam, dann hat man geistige Ablenkung. Dadurch kann ich nach dem Sport auch gesichert ins Berufsleben einsteigen. Wenn man als Sportler zu ehrgeizig ist und keine duale Ausbildung absolviert, hat man später keine Ziele mehr, die man erreichen kann.

Ende August finden die Weltmeisterschaften in Südkorea statt. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Saisonverlauf?

Hätten Sie mich vor der deutschen Meisterschaft gefragt, hätte ich gesagt, alles ist fast wunschgemäß gelaufen. Ich habe frühzeitig die A-Norm für die WM erfüllt. Dadurch sind meine Ansprüche gewachsen, und genau deshalb bin ich mit Platz zwei bei der deutschen Meisterschaft nicht zufrieden. Ich habe meine Leistungen analysiert und werde daraus meine Schlüsse ziehen. Weil Sebastian Bayer, der den Titel gewann, und ich inzwischen sehr, sehr gut springen, sind die Erwartungen an uns ohnehin enorm gestiegen.

Sebastian Bayers Bestweite steht bei 8,49 Meter, Sie sind bei der Europameisterschaft in Barcelona 8,47 Meter gesprungen. Wie erleben Sie Ihren Konkurrenzkampf?

Dieses Duell treibt mich schon an, allerdings konzentriere ich mich mehr auf die internationale Konkurrenz, und in diesem Feld ist Sebastian nur ein sehr guter Springer unter vielen anderen.

Würden Sie Ihre Beziehung als Rivalität bezeichnen?

Ja, unser Verhältnis ist ja bekannt. Wir können das beide aber benutzen und uns dadurch anstacheln. Deshalb schadet dieses Verhältnis keinem von uns.

Haben Sie bei einem Wettkampf viel Kontakt?

Da rede ich mit Sebastian nicht. Ich rede mit meinem Trainer und sonst nur mit denen, mit denen ich auch reden möchte. Das ist ganz normal, so wie sonst auch im Leben, ganz normale Sympathien. An seinen Freunden, die man hat, ist man interessiert, man fragt auch viel beim Wettkampf, wenn es die Zeit erlaubt, aber mit anderen unterhält man sich weniger.

Sie starten als aktueller Europameister bei der WM. Ist damit konsequent eine Medaille das Ziel?

Ich habe oft von einer Medaille geredet, trotzdem bedeutet der Europameister-Titel nicht, dass man automatisch unter die ersten Drei kommen muss. Die besten Springer kommen nicht unbedingt aus Europa, sondern aus Übersee. Trotzdem ist natürlich eine Medaille mein Ziel. 8,30 Meter könnten für eine Medaille reichen, und das ist genau die Weite, die ich auch konstant springen kann. Leider heißt das für einen einzelnen Wettkampf nichts, das hat man auch bei der deutschen Meisterschaft gesehen: Im Vorfeld bin ich immer über acht Meter gesprungen, aber das hilft einem beim nächsten Wettkampf nicht. Natürlich habe ich durch meine guten Leistungen schon im Kopf, dass ich gut springe, das gibt mir auch viel Selbstbewusstsein. Trotzdem kommt es manchmal vor, dass ein Wettkampf nicht wunschgemäß verläuft.

2008 haben Sie sich verletzt und konnten sich deshalb nicht für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren. London 2012 könnten für Sie Ihre ersten Olympischen Spiele werden. Wie sieht Ihre Zielsetzung für die nächste Saison aus?

Olympia ist das Ereignis für jeden Sportler, vor allem für uns Leichtathleten, da Leichtathletik eine der olympischen Kernsportarten ist. Daher ist der Stellenwert von Olympia enorm hoch, und die Teilnahme für mich schon ein ganz großes Ziel. Die Qualifikation sollte für mich nicht das Problem sein, nur eine Verletzung kann mich in dieser Hinsicht stoppen. Für eine bestimmte Zielsetzung ist es jedoch noch zu früh, dafür ist Olympia noch zu weit weg. Es wäre vermessen, von einer Medaille zu sprechen, obwohl man noch gar nicht qualifiziert ist. Jetzt zählt für mich erst einmal die Weltmeisterschaft.

Das Gespräch führte Paul Hullmeine.

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