Sport : Das eigene Denkmal

-

Hartmut Moheit über die

wahren Siege des Michael Schumacher

Ein Denkmal ist für Michael Schumacher in Kerpen nicht geplant. Es gibt ja dort bereits eine Straße, die seinen Namen trägt. Dabei soll es bleiben. Für Bürgermeister Ralf Valkysers wäre jede weitere Überhöhung schon Personenkult. Die Bürger wissen ohnehin, was sie am Sohn ihrer Stadt haben. Ob Schumacher nun fünfmal Formel1-Weltmeister ist oder sechsmal. Dass Michael Schumacher nach dem Saisonende erneut ein großer Empfang bereitet wird, ist selbstverständlich. Das hat Tradition.

Das Neue wäre diesmal, dass Michael Schumacher mit dem sechsten Titel einen mehr hätte als der legendäre Argentinier Juan Manuel Fangio, von dessen Bestmarke aus den 50er Jahren man einst annahm, sie sei für die Ewigkeit bestimmt. Aber letztlich bleibt der sechste WM-Titel etwas für Statistiken, die Schumacher nicht mag.

Das Besondere seiner sechs Siege in dieser Saison bis Indianapolis ist damit nicht erklärt. Auch nicht damit, dass Michael Schumacher ein außergewöhnlicher Rennfahrer ist. Und nicht damit, dass er es maßgeblich war, der Ferrari wieder zu einem Top-Team geformt hat. Das alles hatte Neuigkeitswert bis zu seinem ersten Sieg für Ferrari im Jahr 2000. Bis dahin hatte er regelrecht verbohrt nur auf den Erfolg hingearbeitet.

Der Spaß am Rennsport, mit dem Schumacher verhindert hat, dass er frühzeitig ausgebrannt war, ist die Grundlage für seine heutige Erfolgsserie. Die besondere Herausforderung liegt für Schumacher nunmehr darin, sich unverkrampft den schwierigsten Bedingungen zu stellen. Zunächst in den Zweikämpfen mit dem Finnen Mika Häkkinen, jetzt im harten Rad-an-Rad-Kampf mit den Fahrern von McLaren-Mercedes und BMW-Williams. Nur im vergangenen Jahr hatte er leichtes Spiel und war schon kurz nach der Saisonhälfte Weltmeister. Befriedigt hat ihn dieser Durchmarsch nicht. Ein echter Champion mag keine leichten Siege.

2003 ist dagegen schon nach Schumachers Geschmack gelaufen. Schumacher musste Niederlagen hinnehmen und dabei sogar erkennen, dass er nicht mehr über das beste Material verfügte. Und als Ferrari dann gegen seine schärfsten Konkurrenten wegen eines angeblichen Bruchs der Regeln vorging, wurde er auch noch öffentlich kritisiert. Sein altes Image, das des Schummel-Schumis, der nicht verlieren kann, wurde ihm wieder angeheftet. Diese Situation hat Schumacher wieder stark gemacht. Die öffentliche Auseinandersetzung war der nötige Kick, um noch das letzte Quäntchen an Entwicklungspotenzial herauszuholen. In Indianapolis holte er sich den Lohn dafür: 20 Fahrer fuhren unter den schwierigsten Bedingungen im Kreis, Michael Schumacher siegte. Was ihm danach noch zum sechsten Titel fehlt, ist ein WM-Punkt am 12. Oktober in Suzuka. Dafür muss er nur Achter werden.

Das Denkmal wird er sich selbst setzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben