Sport : Das eigene Image besiegt

Verteidiger Shawn Heins bringt die Eisbären in Ingolstadt zurück auf Finalkurs

Claus Vetter[Ingolstadt]

Shawn Heins hatte schlecht geschlafen. In der Nacht zum Sonnabend habe er sich so seine Gedanken gemacht, erzählt der Verteidiger der Eisbären. „Ich habe mich richtig mies gefühlt. Denn ich habe das erste Spiel gegen Ingolstadt verloren.“ Das ist ein wenig übertrieben, auch die Mitspieler des Kanadiers hatten dazu beigetragen, dass der erste Auftritt in den Play-offs gegen den ERC Ingolstadt für die Berliner mit einer 3:5-Niederlage endete. Und doch hatte Heins am Freitag im ersten Halbfinalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft unabsichtlich alles dafür getan, seinen Ruf als mittelmäßiger Profi zu unterstreichen. Nach dem Spiel konnte er für sich verbuchen, dass er die schlechteste Plus-Minus-Bilanz aller Berliner in den Play-offs vorzuweisen hatte, also bei den meisten Gegentoren auf dem Eis stand.

Doch das Analysieren der eigenen Fehler hat Heins offensichtlich geholfen. Schon vor dem zweiten Spiel gegen Ingolstadt wirkte der 31 Jahre alte Kanadier unglaublich entschlossen, wie Pierre Pagé berichtet: „Heins hat mir gesagt: Trainer ich mache heute ein gutes Spiel.“ Heins hatte zu wenig versprochen, er machte beim 3:2-Sieg der Berliner in der zweiten Partie der „Best of five“-Serie ein sehr gutes Spiel. Er frustrierte mit seinem Einsatz den besten Ingolstädter Stürmer sogar so sehr, dass dieser eine Spieldauerstrafe bekam. Andy McDonald hatte Heins mit einem Stockstich in den Unterleib zu Boden gestreckt. Der Berliner musste zur Behandlung in die Kabine, kam aber wenige Minuten später zurück, „weil ich dem Team unbedingt helfen musste“.

Das hat Heins gemacht und damit einiges für sein zuletzt doch ein wenig angeschlagenes Renommee getan. Das sei ihm auch wichtig gewesen, sagt Heins. „Denn ich kann schließlich mehr, als nur harte Schüsse abzugeben.“ Das kann er aber ziemlich gut, am Sonntag schoss Heins auch aus den ungünstigsten Positionen. Er zögerte nicht, wie so oft. „Ich habe nur an den Sieg gedacht und nicht auf eine günstige Schussposition gewartet.“ Trotzdem, sagt Heins, „ein gutes Spiel reicht mir nicht. Ich will meine gute Leistung bestätigen, am Donnerstag im nächsten Spiel gegen Ingolstadt.“ Den Oberbayern werden dabei nicht alle ihre besten Spieler helfen können: McDonald ist nach dem Foul gegen Heins am Donnerstag gesperrt, die Eisbären verlangen bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sogar eine weiter gehende Bestrafung. Dazu ist Marco Sturm durch eine Fußverletzung gehandicapt, und für Stürmer Cameron Mann könnte die Saison sogar schon beendet sein.

Mann setzte am Sonntag einen Kopfstoß gegen Eisbären-Verteidiger Micki Dupont – unbemerkt vom Schiedsrichter. Aber nicht unbemerkt von der DEL. Gestern reichten die Eisbären einen Antrag auf ein Verfahren gegen Mann ein. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagte schon dem Tagesspiegel: „Das Foul von Mann wird ein Nachspiel haben. Am Mittwoch wird sich der Disziplinarausschuss der DEL mit dem Fall beschäftigen.“ Mann habe nun 24 Stunden Zeit, Stellung zu dem Vorfall abzugeben. Das hat der Kanadier – etwas ungeschickt – schon getan. Dem „Donaukurier“ sagte er: „Das mit dem Kopfstoß war dumm von mir. Ich hoffe, dass dem Team kein Nachteil entsteht.“ Danach sieht es aber nun aus, und so sieht es auch Shawn Heins. „Mit McDonald und Mann fehlen ihnen womöglich zwei ihrer besten Spieler“, sagt er. „Wenn wir in der Serie weiter so konzentriert spielen wie am Sonntag, spricht nichts gegen uns.“

Zumindest spricht dann nichts dagegen, dass die Berliner mit zwei weiteren Siegen das Finale um die deutsche Meisterschaft erreichen.

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