Sport : Das EMchen

Mathias Klappenbach über die kleinen Stadien in Österreich

Mathias Klappenbach

So richtig erkennbar ist das Ungemach erst, wenn es wirklich naht. Anders ist nicht zu erklären, dass nun urplötzlich auffällt, dass in sechs der acht Stadien für die Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr nur 30 000 Zuschauer passen. Das hätte die Stiftung Warentest beim Stadioncheck in Deutschland niemals durchgehen lassen. Von „Stadionchen“ und „Klagenfurz“ ist die Rede, und neben den zweifelhaften Fertigkeiten von Kogastgeber Österreich mit dem Ball steht nun auch dessen Organisationsfähigkeit infrage. Gestern ging in Innsbruck auch noch eine Katastrophenschutzübung daneben. Hierzulande undenkbar.

Logische Konsequenz wäre es, die EM dem Land zu übergeben, das auch für den Fall bereitsteht, dass 2010 in Südafrika nichts fertig sein wird: Deutschland natürlich. Das Land, mit dem sich niemand mehr zu messen wagt. Für Österreichs Bundeskanzler Gusenbauer ist die WM 2006 ein Vorbild, von dem er weiß, dass er es nie erreichen wird. Die Organisatoren aller großen kommenden Turniere beginnen ihre Aussagen derzeit mit dem Halbsatz: „Es wird nicht so wie in Deutschland, aber wir …“

Der eigentliche Skandal wird derzeit aber noch viel zu wenig beachtet: Nach der Europameisterschaft werden einige der extra ausgebauten Stadien beim kleinen Nachbarn wieder zurückgebaut! Sie sind gar nicht für immer, so wie die in Deutschland aus ewigem Stein gemeißelten. Noch schlimmer: Einige Stadionteile sollen sogar bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine wiederverwendet werden. So etwas Praktisches aber auch.

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