Sport : Das Ende der Sentimentalität

Stefan Hermanns

Wie die Geschichte von Marcelinho weitergehen wird, kann man sich schon heute in etwa ausmalen. In einem halben Jahr, vielleicht auch erst im nächsten Sommer, wird der Brasilianer via Boulevardpresse einen Hilferuf aussenden: „Marcelinho: Ich will zurück nach Deutschland.“ Seine Familie fühle sich nicht wohl in der Türkei, er komme mit der Mentalität nicht zurecht, und sportlich sei die Bundesliga doch erheblich interessanter. Das Übliche eben.

Hertha BSC kann es ziemlich egal sein, wie die Geschichte von Marcelinho weitergehen wird, all die künftigen Windungen und Wendungen müssen den Berliner Bundesligisten nun nicht länger interessieren. Der Brasilianer ist weg, und damit wird es bei Hertha auf Dauer erheblich ruhiger, aber auch deutlich langweiliger. Die Entscheidung, Marcelinho zu verkaufen, mag unpopulär sein, richtig ist sie trotzdem, vor allem aber ist sie – im Sinne der Glaubwürdigkeit – notwendig. Herthas Manager Dieter Hoeneß, der den Brasilianer immer über das normale Maß hinaus in Schutz genommen hat, hat sich nicht von Sentimentalität leiten lassen, nicht von der Erinnerung daran, was war, sondern von der Einschätzung, was kommen wird; er ist nicht wankelmütig geworden, als Marcelinho plötzlich doch bei Hertha bleiben wollte.

So viel Konsequenz hat Hoeneß nicht immer bewiesen. Die Nachsicht war auch dem Status geschuldet, den der Brasilianer für Hertha besaß. Dass die Berliner die Liaison nun fast kühl beendet haben, ist auch ein Beleg dafür, dass Marcelinho längst erheblich an Wert eingebüßt hat.

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