Sport : Das Ende des Vorspielens

Warum Stefan Beinlich Hertha BSC nach dieser Saison in Richtung Hamburg verlässt

Michael Rosentritt

Stefan Beinlich hat in seinem Leben als Fußballprofi einiges mitgemacht. Seine Karriere startete in Ostberlin. Nach der Wende ging er zunächst nach England, wo er für Aston Villa spielte. Über Rostock und Leverkusen kehrte er zehn Jahre später nach Berlin zurück. Seit 2000 spielt der inzwischen 31-jährige Mittelfeldspieler für Hertha BSC. Hier wollte er seine sportliche Karriere beenden. Doch auf dem Weg dorthin ist etwas dazwischen gekommen. Stefan Beinlich wird im Sommer zum Hamburger SV wechseln und dort einen Zweijahresvertrag plus Option unterzeichnen.

Stefan Beinlich ist ein Typ, der klare Verhältnisse schätzt. Sein Wechsel von Rostock nach Leverkusen im Sommer 1997 war beiden Seiten sechs Monate vorher bekannt gewesen. Beinlich spielte noch eine starke Rückrunde und sicherte Hansa den Klassenerhalt. Sein Wechsel von Leverkusen nach Berlin im Sommer 2000 war sogar acht Monate vorher bekannt gewesen. Beinlich spielte eine überzeugende Rückrunde für Bayer und schoss Leverkusen mit neun Toren in die Champions League. „Für alle Beteiligten war es von Vorteil, frühzeitig Planungssicherheit zu haben“, sagte Beinlich im vergangenen Herbst. Es war der Zeitpunkt, als er der Vereinsführung von Hertha signalisierte, dass er gern seinen im Sommer 2003 auslaufenden Vertrag verlängern würde.

In seiner Berliner Zeit war er immer wieder von Verletzungen heimgesucht worden. Anfang dieses Jahres wurde er von Manager Dieter Hoeneß als Wackelkandidat bezeichnet. „Er hat seine Qualitäten, aber wenn er nicht fit ist, stimmt sein Zeitgefühl beim Abspiel nicht mehr“, sagte Hoeneß damals. „Es reicht nicht zu wissen, dass er es kann. Wir wollen es auch sehen.“ Der Spieler Beinlich solle sich zuerst auf dem Spielfeld bewähren. Hoeneß fügte hinzu: „Stefan ist für unseren Trainer schwer einzuordnen.“ Obwohl Beinlich doch seit sieben Jahren in der Bundesliga beschäftigt ist – genauso lange wie Herthas Trainer Stevens.

Während der vergangenen Rückrunde zählte Beinlich zu den Leistungsträgern. Hertha eroberte noch einen Platz im Uefa-Cup, und der fünfmalige Nationalspieler Beinlich wäre beinahe noch mit zur WM nach Asien gefahren. In dieser Saison hat er 18 Bundesliga- und drei Uefa-Cup-Spiele bestritten. Unvergessen bleibt der 8. Februar, als Beinlich gegen Schalke ein Minute vor Schluss eingewechselt wurde. Es war sein 200. Bundesligaspiel, und Beinlich fühlte sich brüskiert. Zeitgleich ließ Hoeneß verlauten, Hertha habe wegen Beinlich von einem Kauf des Franzosen Johan Micoud Abstand genommen, der im Sommer zuvor auf dem Markt war. Noch immer sah Hoeneß keinen Bedarf für ein Gespräch.

Anfang dieser Woche machte sich Herthas Aufsichtsratsvorsitzender Rupert Scholz für einen Verbleib Beinlichs stark: „Wenn er so spielt wie zuletzt, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass wir ihn gehen lassen.“ Die Zeit des Vorspielens ist nun vorbei, und sie wird nicht von Hoeneß beendet, sondern von Beinlich. Noch gibt der Berliner Manager sich zugeknöpft: „Ich habe mit Stefans Berater gesprochen und kann diese Meldung nicht bestätigen“, sagte Hoeneß gestern. Für den 19. April hat er Beinlich einen ersten Gesprächstermin (kein neues Vertragsangebot) in Aussicht gestellt. Dieser Termin ist nun hinfällig. Am Ostersonnabend kann Stefan Beinlich sich darauf konzentrieren, wo er für seine drei Kinder die Ostereier versteckt.

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