Sport : Das Ende des Weltuntergangs

Felix Meininghaus

Ein bisschen war es wie in alten Tagen, als Matthias Sammer selbst noch auf dem Platz stand, als er motzte und meckerte. Als Trainer ist schon von Berufs wegen ein bisschen Zurückhaltung gefragt, doch nach dem 3:1-Sieg des BVB gegen Borussia Mönchengladbach war davon wenig zu spüren. Hitzig und mit weit aufgerissenen Augen ereiferte sich Sammer über den Gemütszustand, in dem sich das Umfeld des BVB befunden habe, nachdem in den vergangenen Wochen sechs Spiele ohne Sieg zu verzeichnen waren: "Wir hatten eine kleine Durststrecke, aber hier bricht ja sofort die Welt zusammen, wenn man ein kleines bisschen vom Kurs abkommt." Es sei doch normal, dass eine Mannschaft nicht ein Jahr lang konstant durchspiele. Nur in Dortmund werde so eine Situation dermaßen dramatisiert, dass alle Welt die Köpfe hängen lässt: "Wenn jemand gestorben wäre", sagte Sammer, "wären wir nicht anders rumgelaufen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Natürlich hat Sammer mit seiner Schilderung übertrieben, aber nervös sind sie bei Borussia Dortmund zuletzt schon geworden. Gegen Gladbach haben sie nun ein deutliches Zeichen gesetzt, dass sie durchaus gewillt sind, es in der Meisterschaft und im internationalen Geschäft weit zu bringen. Er sei "stolz auf diese Mannschaft", sagte Sammer. "Sie hat ihr Gesicht gezeigt."

Das war ein wenig viel Pathos nach einer Begegnung gegen einen Kontrahenten, der im Westfalenstadion wenig couragiert aufgetreten war. Dabei gehören Dienstfahrten nach Dortmund doch zu den liebsten Übungen der Borussia vom Niederrhein. Zehn Siege und insgesamt 119 Tore hatte sie in der Bundesliga bei der Borussia aus Westfalen bis dato erzielt, gegen keinen Verein ist Dortmunds Heimbilanz schlechter. Doch von breiter Brust und zur Schau getragenem Selbstbewusstsein war bei den Gladbachern nach sieben Punkten aus den vergangenen drei Partien nichts zu sehen. Im Gegenteil: Dortmunds Angstgegner agierte weitgehend harmlos und geriet schnell in Rückstand: Die Führung für den BVB besorgte Gladbachs Peter Nielsen, der den Ball, hart bedrängt von Dortmunds Stürmer Jan Koller, ins eigene Tor lenkte. Der Däne brach sich bei dieser missglückten Abwehraktion auch noch das Wadenbein und fällt voraussichtlich sechs Wochen aus. Möglicherweise wird er nie mehr für Borussia Mönchengladbach spielen. Nielsens Vertrag läuft am Saisonende aus, und er überlegt, nach Dänemark zurückzukehren.

Dass Gladbach der Ausgleich gelang, war reiner Zufall: Dortmunds Außenverteidiger Dede fälschte eine harmlose Flanke von Arie van Lent ins eigene Tor ab. Als Reaktion zeigten die Dortmunder das, was Sammer so gerne mit "Charakter" umschreibt: Die Gastgeber drängten so vehement auf die Entscheidung, dass eine erneute Führung nur eine Frage der Zeit war.

Doch nachdem Jörg Stiel gegen Amoroso und Ewerthon zweimal glänzend pariert hatte, bedurfte es jenes Elfmeterpfiffs, der die Gemüter erhitzte: Nach einem schnell ausgeführten Freistoß kamen Amoroso und Marcel Witeczek parallel spurtend im Strafraum an. Was folgte, bezeichnete Stiel mit bitterem Sarkasmus als "knallhartes Foul, da muss man einfach pfeifen". Witeczek beobachtete, "wie ich neben ihm her laufe, und plötzlich liegt er auf dem Boden". Schiedsrichter Peter Gagelmann wertete die Aktion als Regelwidrigkeit und entschied auf Strafstoß, den Amoroso sicher verwandelte. Es war die Entscheidung, das 3:1 durch Koller nicht mehr als eine Zugabe.

"Wir haben gezeigt, wie man siegen muss", sagte der starke Manndecker Christian Wörns. "Mit Frische und kompaktem Auftreten." Durch die Siege der Konkurrenz bleiben die Dortmunder zwischen Bayer und Bayern auf Rang zwei. Für Wörns ist das eine durchaus willkommene Konstellation: "Es bleibt heiß - bis zum Schluss."

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