Sport : Das Ende einer Ära

Nach sieben Meistertiteln hintereinander scheidet Alba durch ein 68:93 gegen Bamberg im Halbfinale aus

Helen Ruwald

Berlin - Siebeneinhalb Minuten vor dem Ende nahm Albas Trainer Emir Mutapcic noch eine Auszeit. Um den Sieg ging es da längst nicht mehr. Die Berliner Basketballer lagen im entscheidenden fünften Play-off-Halbfinalspiel gegen GHP Bamberg 48:80 zurück. Sie versuchten nur noch, das Debakel irgendwie zu überstehen – und waren so konsterniert, dass sie sich nicht einmal mehr wehrten. Als das Aus vor 8861 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle nach dem 68:93 (34:53) endlich perfekt war, drehten die Berliner langsam und schweigend ihre Runde und klatschten mit erstarrten Gesichtern die Fans ab. Was blieb, war Fassungslosigkeit.

Mit zwei begeisternden Siegen hatte Alba die Serie nach 0:2-Rückstand doch noch ausgeglichen, der Auftritt von gestern Abend kam völlig unerwartet. Die Berliner stehen erstmals seit zehn Jahren nicht im Finale, das sie zuletzt siebenmal hintereinander gewonnen hatten. Die Ära Alba ist zu Ende gegangen und mit ihr eine durchwachsene Saison – in der Europaliga gelangen in 14 Spielen nur drei Siege, im Pokal schied die Mannschaft nach einer blamablen Vorstellung in eigener Halle im Viertelfinale gegen die Skyliners Frankfurt aus. „Wir spielen zum richtigen Zeitpunkt unseren besten Basketball“, hatte Flügelspieler John Best nach dem starken Auftritt am Sonntag in Bamberg gesagt. Dass nur zwei Tage später alles ganz anders aussah, passte zum Auf und Ab der Berliner in der gesamten Saison. „Das ist nicht das erste Mal, dass wir in ein kollektives Loch fallen“, sagte Henrik Rödl. Die Enttäuschung war ihm deutlich anzusehen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es sein letztes Spiel für Alba war. Noch in der Halle verkündete er das Ende seiner Karriere.

Präsident Dieter Hauert hatte nach dem Sieg am Sonntag vor „alten Eitelkeiten“ gewarnt. Nach den beiden Siegen dürfe niemand glauben, Alba, das dominierende Team der letzten Jahre, würde jetzt automatisch den Einzug ins Finale schaffen. Trainer Emir Mutapcic hatte es als eine seiner Aufgaben gesehen, „die Euphorie zu bremsen, wir haben noch nichts gewonnen“.

Nach zehn Minuten führte Bamberg 21:18. Albas Ersatzspieler betrachteten mit skeptischen Blicken und aneinander gepressten Händen den Beginn des zweiten Durchgangs. Kurz nach einem Dreipunktewurf von Geert Kullamäe sprangen Teo Öztürk, Jovo Stanojevic und Stefano Garris auf – und sahen wie zunächst der 40-jährige Derrick Taylor und dann auch noch Uvis Helmanis aus der Distanz trafen. Drei Dreier in den ersten 1:34 Minuten des zweiten Viertels – Bamberg führte 30:18. Das musste noch nichts heißen, am Sonntag hatte Alba sogar mit 13 Punkten zurückgelegen und die Partie noch gekippt. Doch gestern fand Mutapcic nicht die richtigen Worte, um sein Team in einer Auszeit richtig einzustellen.

Nach dem dritten Foul von Centerspieler Jovo Stanojevic, der vorübergehend auf der Bank Platz nahm, spielten nur noch die Bamberger. Sie trafen von außen aus allen Lagen, sieben Dreipunktewürfe gelangen ihnen im zweiten Viertel, sodass sie nach 20 Minuten mit 53:34 führten. Die Gastgeber versuchten sich mit verzweifelten Fernwürfen, trafen bis zur Pause aber nur bei vier von 16 Versuchen. Zudem fanden die Berliner kein Mittel, um Steffen Hamann zu stoppen, der zur Halbzeit schon 18 Punkte erzielt hatte.

Bei manchen Fans flossen in der Pause die ersten Tränen, sie hatten aufgegeben. Zu Recht – Bamberg baute den Vorsprung auf 32 Punkte aus, die Berliner waren völlig ratlos. Das Publikum piff, nur die treuesten Zuschauer brüllten noch tapfer „Alba, Alba!“. In dieser Zusammensetzung werden sie die Mannschaft, die nur selten als Einheit auftrat, nicht mehr sehen. Die meisten Verträge laufen aus, Henrik Rödl beendet nach elf Jahren bei Alba seine Karriere. Nur ihn feierten die Zuschauer, doch es war ein bitteres Ende.

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