Sport : Das Ende im Sinn

Volleyballerin Sylvia Roll kämpft nach Verletzungen mit Motivationsproblemen

Karsten Doneck

Berlin - Das Gespräch fand unter vier Augen statt, „draußen, bei strahlendem Sonnenschein, auf dem Rasen“, sagt Sylvia Roll. Selbst Verbandspräsident Werner von Moltke, ganz begierig darauf, seine Überredungskünste anzuwenden, blieb auf Rolls Wunsch hin ausgesperrt. So hatte der neue Bundestrainer Giovanni Guidetti allein die Aufgabe, die Volleyballerin vom Schweriner SC nach rund vierjähriger Pause zur Rückkehr in die Nationalmannschaft zu bewegen. Der erste Pluspunkt für den Bittsteller Guidetti: „Mit ihm konnte ich endlich mal wieder ein bisschen Italienisch reden“, sagte Sylvia Roll, die jahrelang als Profi in Italien gespielt hatte.

Eine halbe Stunde dauerte die Unterredung im Freien. Sylvia Roll nahm sich danach etwas Bedenkzeit. Dann hatte sie sich entschieden, den deutschen Volleyballerinnen bei der Weltmeisterschaft Anfang November vorigen Jahres in Japan noch einmal zu helfen. Dazu kam es aber nicht. Die 1,82 Meter große Sylvia Roll zog sich in einem Vorbereitungsspiel gegen Serbien einen Bruch des Mondbeines im rechten Handgelenk zu. Ein Rückschlag, der sie schwer getroffen hat. So schwer, dass sie überlegt, nach der aktuellen Spielzeit einen endgültigen Schlussstrich unter ihre Nationalmannschaftskarriere zu ziehen – nach insgesamt 250 Länderspielen.

Giovanni Guidetti hält große Stücke auf die 33 Jahre alte Angreiferin: „Sie ist eine außergewöhnliche Spielerin. Ihre Erfahrung und Qualität sind für uns sehr wichtig.“ Roll aber kämpft mittlerweile mit Motivationsproblemen. „Ich habe keinen Bock, so etwas wie vor der WM noch einmal zu erleben“, sagt sie. Nach dem Bruch im Handgelenk musste sie drei Monate aussetzen. „Gips, kein Gips, doch wieder Gips, dann eine Manschette – das war ja nicht mehr zum Aushalten“, sagte sie. Ihren Plan, zusammen mit Susanne Lahme sich noch mal im Beachvolleyball zu versuchen, musste sie aufgrund der Verletzung auch aufgeben.

Mittlerweile beflügelt selbst ein hohes sportliches Ziel wie die Olympischen Spiele 2008 in Peking ihren Ehrgeiz nicht mehr sonderlich. „Ich habe doch alles erlebt“, sagt Sylvia Roll. Bei zwei Olympischen Spielen, in Atlanta und Sydney, war sie dabei und hat dabei eine sehr endgültig klingende Erkenntnis gewonnen: „Die Spiele in Sydney sind sowieso nicht zu toppen. Den Traum von dort möchte ich mir nicht versauen.“ Sie habe die Spiele in der australischen Millionenstadt „vom ersten Tag an richtig genossen“. Und das nicht zuletzt deshalb, weil sich die deutschen Volleyballerinnen auch ein paar unerlaubte Freiheiten nahmen. „Wir sind fast jedes Mal abgehauen, einfach ab durchs Fenster.“

Selbst wenn sie sich am Saisonende für einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft entscheiden sollte: Für ihren Verein, den Schweriner SC, will Sylvia Roll weiterhin spielen. „Ich muss doch noch ein bisschen was für meine Rente tun“, sagt sie – und lacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben