Sport : Das Ende vor Augen

Leverkusens Trainer Toppmöller ist stark gefährdet – auch wenn Manager Calmund das Gegenteil beteuert

Erik Eggers

Leverkusen. Die Protagonisten versuchten wahrlich einiges, um Routine vorzutäuschen. Bayer Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller wollte, da die Pressekonferenz nach dem 7:6 im DFB-Pokal in Unterhaching anstand, am liebsten nur über die üblichen Personalien sprechen. Erst auf Nachfrage referierte er über die Bedeutung des Spiels, das sein Team gerade so mühsam gewonnen hatte. Unterhaching habe ja, sagte Toppmöller mit gebrochener Stimme, zuvor Rostock besiegt und davor auch noch einen österreichischen Erstligisten. „Da sieht man schon, dass die eine Macht darstellen“, sagte Toppmöller. Er sprach tatsächlich von Unterhaching. Nicht von Real Madrid oder Inter Mailand. Besser hätte der Trainer seine Verunsicherung nicht zeigen können.

Und während der ganzen Zeit täuschte Manager Reiner Calmund Gleichgültigkeit vor, indem er, als Toppmöller diese seltsame Ansprache hielt, in einer frisch gedruckten Bayer-Broschüre blätterte. Doch sein schon brutaler Gesichtsausdruck dokumentierte jene Krise, in der Leverkusen gerade steckt. Und der Vizemeister hatte ja auch wirklich eine erbärmliche Leistung gezeigt. Auch wenn er nach Elfmeterschießen glücklich das Halbfinale erreicht hatte. Und wie sehr Calmund den Auftritt als erneuten Offenbarungseid betrachtete, verrieten allein schon die Augen des Managers, der sein Lebenswerk stark gefährdet sieht. Diese Augen verengen sich nämlich derzeit gefährlich oft zu Schlitzen. Und um diese Augen haben sich große, schwärze Ränder gebildet. Calmund, so viel steht fest, schläft derzeit schlecht, wenn er denn in diesen Tagen überhaupt einmal schläft. Man muss sich um ihn wirklich Sorgen machen.

Und trotzdem, obwohl auch diesmal die Mannschaft taktisch miserabel gespielt und ein schwaches Zweikampfverhalten gezeigt hatte, stärkte der Manager seinem Trainer vorerst den Rücken. „Es wird weiter keine Trainerdiskussion geben, nicht heute, nicht morgen, nicht am Samstag in Bochum“, polterte Calmund, ungeachtet der vielen kleinen Hinweise, dass sich der Verein sehr wohl Gedanken über einen Nachfolger macht. Zwar dementierte Calmund die Meldung des Kölner „Express“, nach denen Trainer-Assistent Thomas Hörster bereits als interne Lösung bis Saisonende vorgesehen ist. Andererseits hatte der einflussreiche Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schon vor dem Unterhachinger Trauerspiel diverse Planspiele hinsichtlich der Zukunft des umstrittenen Übungsleiters angedeutet: „Wir haben natürlich für verschiedene Varianten verschiedene Lösungen parat.“ Nach Aussagen wie dieser hatten sich Spekulationen, Toppmöller werde unabhängig vom Ausgang des Pokalspiels gefeuert, rasend schnell vermehrt. Diese Spekulationen dementierte Calmund erneut. Doch am Samstag werden sie wieder aufkommen, denn kaum jemand glaubt, dass sich bis dahin etwas Grundsätzliches ändert in diesem Team.

„Dass sich solche Diskussionen von selbst ergeben“, empfindet Medienprofi Calmund angesichts der Situation ja als durchaus nachvollziehbar. „Schließlich spielen wir schlecht, und wir stehen schlecht da.“ Dass er dafür auch verantwortlich ist, scheint er hingegen nicht mehr zu registrieren. Er ist ja mitbeteiligt an den Spielerkäufen, er selber hat ja Toppmöller als Trainer eingestellt, besser gesagt: Er hat ihn vorgeschlagen. Er kann sich jetzt nicht einfach absetzen.

Und auch Calmund deutet ja oft genug an, wie groß der Ärger hinter den Kulissen ist. Welcher Bundesliga-Manager etwa würde in aller Deutlichkeit nach einem Spiel wie in Unterhaching davon reden, „dass die Mannschaft taktisch schlechter gespielt hat als der Gegner“, schlechter also als ein Regionalligist. Und er will partout nicht beantworten, wie lange sich der Verein noch derartige Diskussionen erlauben darf. „Wenn man jemanden auf der Intensivstation liegen hat“, sagt Calmund dann, „mache ich mir ja auch keine Gedanken darüber, wie und wann die Beerdigung stattfinden soll.“

Andererseits haben sie in Leverkusen ja diese Versicherung gegen den Abstieg abgeschlossen. Und ein Abstieg ist schließlich so etwas wie eine Beerdigung eines Fußballklubs.

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