Sport : Das endlose Familienduell

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Benedikt Voigt über ein unerwünschtes Tennis-Finale

Manche der Schreie in der Rod-Laver- Arena zu Melbourne erklärten sich so: Der australische Tennisheld Lleyton Hewitt liebt Kim Clijsters, weshalb einige der australischen Zuschauer die Belgierin ebenfalls besonders gerne mögen. Im Halbfinale der Australian Open unterstützten sie Clijsters lautstark und beklatschten selbst Doppelfehler von Serena Williams überschwänglich. Die meisten Clijsters-Fans vom Donnerstag dürften sich jedoch nicht so sehr interessiert haben, aus welchem Land ihr Freund stammt. Es wäre ihnen wohl auch egal gewesen, wenn Justin Henin-Hardenne oder Lindsay Davenport gegen Serena Williams gespielt hätten. Sie hätten für jede Spielerin gejubelt. Hauptsache, Serena gewinnt nicht schon wieder. Was sie aber tat.

Das Damentennis nimmt eine seltsame Entwicklung. Es ist nicht mehr spannend, wer ein Turnier gewinnt. Spannender ist, ob Venus oder Serena Williams im Laufe eines Turniers ein Match verliert. Weil das aber höchst selten passiert, ist das Damentennis langweilig geworden. Serena gegen Venus, Venus gegen Serena, Serena gegen Venus, Venus gegen Serena, so lauteten die Endspiele der letzten Grand-Slam-Turniere. Zuletzt gewann Serena dreimal die Familienmeisterschaft, weshalb das Finale am Samstag seine Spannung aus der Frage zieht, ob Serena zum vierten Mal in Folge Venus schlagen kann. Wirklich aufregend ist das nicht.

Wenn Stars zu dominant werden, wächst die Langeweile. Was nur natürlich ist. Sport ist deshalb so interessant, weil niemand vorher weiß, wie es ausgeht. Ansonsten gibt es ein Problem wie in der Formel 1 mit dem Dauersieger Michael Schumacher. Der Motorsport-Weltverband versucht nun durch Regeländerungen, die Dominanz von Ferrari und seinem Piloten zu brechen. Eine Regeländerung, welche die Williams-Schwestern stoppt, ist noch nicht in Sicht.

Beide wissen längst, dass ihre Überlegenheit dem Damentennis schadet. Sie treten nur noch bei bedeutenden Turnieren gemeinsam an. Serena Williams bringt inzwischen eine eigene Mode-Kollektion raus, auch als Schauspielerin hat sie sich bereits versucht. Tennis ist selbst ihr auf die Dauer zu eintönig geworden.

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