Sport : Das Erfolgs-Monopol

Für den FC Bayern zählt nur Platz eins – wie immer

Daniel Pontzen[München]

Wer hat das Sagen im Verein? Das Organigramm der FC Bayern München AG weist Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef aus, Uli Hoeneß als dessen Stellvertreter. Das ist ein bisschen irreführend, denn wenn Uli Hoeneß eines nicht ist beim FC Bayern, dann Stellvertreter. Niemals würde in der florierenden Fußballfirma, die man als Hoeneß’ Lebenswerk bezeichnen kann, etwas gegen seinen Willen laufen. Franz Beckenbauer hat sein Versprechen eingehalten und sich als Aufsichtsratschef und Präsident aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Seither beschränkt er sich weitgehend auf gelegentliche Empfehlungen via „Bild“-Zeitung.

Was hat sich verbessert? Bei der Saisoneröffnung ließ sich Valerién Ismaël als Ersatz von Robert Kovac vorstellen. Eigentlich hätte er protestieren müssen, denn der Franzose ist mehr als ein Ersatz für den Kroaten. Kovac weigerte sich zumeist beharrlich, am Spielaufbau teilzunehmen, in dieser Kategorie verspricht Ismaël einen erheblichen Qualitätsgewinn. Zudem erweitert die Ballbegabung des zweiten Neuzugangs, Ali Karimi, die Alternativen in der Offensive.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Es gab eine Zeit im Herbst vergangenen Jahres, da formulierten manche ernste Zweifel an der Verbindung Felix Magath/FC Bayern. Der Trainer hatte zu Saisonbeginn mäßigen Erfolg und seine zum Teil eigenwilligen Interpretationen von Spielen – so bestand Magath nach einem 1:4 in Leverkusen darauf, Fortschritte erkannt zu haben – bedienten die Kritiker. Es war damals nicht zu erwarten, dass nun, ein knappes Jahr später, eine Ära Magath durchaus möglich erscheint. Dem 52-Jährigen, der früher bevorzugt von Vereinen aus der fußballerischen Unterschicht eingestellt wurde, ist mit dem Gewinn des Doubles in seiner ersten Saison bereits der Aufstieg in die Münchner Fußball-Haute-Volée gelungen.

Welche Taktik ist zu erwarten? Der einzige signifikante Unterschied zur Ära Hitzfeld liegt im Mittelfeld: Magath ordnet dort seine Spieler zu einer Raute. Für die Positionen vor der Abwehr, die beiden vorgezogenen Außen und den offensiven Platz hinter den Spitzen stehen ihm neun Spieler zur Verfügung, die sich allesamt Hoffnungen auf Einsätze machen – Jens Jeremies und Andreas Ottl nicht eingerechnet. Hinten agiert eine Viererkette, die mit Willy Sagnol, Bixente Lizarazu und Valerien Ismaël nicht nur die französischste der Bundesliga-Geschichte, sondern dank Letzterem und Lucio vielleicht auch die offensivstärkste ist. Von dieser Formation, ergänzt durch zwei Stürmer, weicht Trainer Magath ungern ab. Der im vergangenen Jahr propagierte Offensivstil, der erst zum Ende zur Aufführung kam, ist von Anfang an erklärtes Ziel.

Welche Platzierung ist möglich? Es bedarf einiger Phantasie, um sich vorzustellen, dass etwas anderes als Platz eins möglich ist. So viele Verletzungen und Formtiefs können bei diesem Kader kaum zusammenkommen. Außerdem müsste einer der Konkurrenten mindestens eine so herausragende Saison erwischen wie Bremen vor zwei Jahren.

Wer sind die Stars? Bei 19 Nationalspielern im Kader erübrigt sich diese Frage. Interessanter ist ein Blick auf jene, die noch nicht für ihr Land aktiv waren – denn auch in ihnen verbirgt sich Starpotenzial: Michael Rensing, der 21-jährige Ersatztorwart, soll Oliver Kahns Nachfolger werden, nicht wenige attestieren ihm dessen Fähigkeiten. Alles, was Ismaël zum Nationalspieler fehlt, ist ein deutscher Pass, mit dem hätte er einen WM-Stammplatz sicher. Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech ignoriert die Leistungen des torgefährlichen Abwehrspielers (noch) hartnäckig. Zuletzt Andreas Ottl, 20, Mittelfeld, als Elfjähriger zum FC Bayern gekommen. In der Vorbereitung deutete er an, „dass er unser Spiel mitbestimmen kann“ (Magath). Wenn alles gut läuft, ist ihm ein ähnlicher Weg wie Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm zuzutrauen, dessen Vertrag gestern vorzeitig bis 2009 verlängert wurde.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Neben den gesetzten Nationalspielern wird die spannendste Entwicklung bei Andreas Görlitz und Phillip Lahm zu beobachten sein. Beiden riss in der Vorsaison das Kreuzband und damit der steile Aufwärtstrend, der bis dahin ihre jungen Karrieren bestimmt hatte. Während Lahm sich darauf verlassen kann, dass ihm Jürgen Klinsmann den Platz links in der Viererkette freihält, falls er nach der für November angestrebten Rückkehr zu alter Form findet, wird es für Görlitz schwerer. Seine Konkurrenten Andreas Hinkel und Arne Friederich haben sich während des Konföderationenpokals einen Bonus erspielt.

Wie sind die Fans? Trost spendete den Nicht-Bayern-Sympathisanten stets die Gewissheit: Fans, nein, Fans haben sie keine guten, nur erfolgsverwöhnte, stimmungsresistente Samstags-Schalträger. Seit der Eröffnung der Allianz-Arena hat sich aber etwas geändert: In der neuen Spielstätte rauschen die Fans in der Dezibel-Statistik an vielen Konkurrenten vorbei. Früher im Olympiastadion entwichen die Fangesänge wie Dampf aus einem offenen Kochtopf. Nun spielen sie akustisch Ping-Pong: Hinter beiden Toren stehen Münchner Fans und sichern sich das Monopol der Stimmgewalt. Ein weiterer Vorteil für die Bayern. Als ob sie nicht schon genug davon hätten.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

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