Das Erfolgskonzept : Und am Ende gewinnen die Eisbären

Anders als viele Konkurrenten verfolgen die Berliner seit Jahren ein kontinuierliches Projekt in der Deutschen Eishockey-Liga. Nach dem Sieg bei Tabellenführer Hannover gelten sie wieder als Titelfavorit.

Claus Vetter[Hannover]

Die Berliner Reisegruppe hatte ihre Mission eindrucksvoll erfüllt. Und da sich vor der Heimreise auf dem zugigen Hannoveraner Hauptbahnhof angesichts langer Wartezeit auf den Zug nach Berlin Langeweile breit machte, hatte Sven Felski Zeit, ein paar Fans zu erklären, warum die Eisbären am Sonnabend den Tabellenführer Hannover Scorpions in dessen eigener Arena mit einem 7:2-Sieg gedemütigt hatten. „Ich wusste, dass wir gewinnen“, sagte der Berliner Angreifer. „Und Hannover wusste, dass wir gewinnen. So einfach war das.“

Eishockey ist tatsächlich ein einfaches Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). 52 Spieltage lang dürfen sich alle Teams in der Hauptrunde austoben – und am Ende gewinnen die Eisbären. Es spricht zurzeit nichts dagegen, dass die Berliner diese Saison ihren vierten Meistertitel in fünf Jahren gewinnen. Denn im entscheidenden Moment sind sie nerven- und spielstärker als ihre Konkurrenz. Das 7:2 von Hannover hat das wieder einmal gezeigt: Die Niedersachsen hatten die große Chance, vier Spieltage vor Ende der Hauptrunde ihren ersten Platz zu sichern und waren dann überfordert gegen eine starke Berliner Mannschaft, die nun bei erfolgreicher Gestaltung des Heimspielmarathons in dieser Woche – Dienstag kommt Nürnberg, Mittwoch Mannheim und am Freitag Frankfurt nach Berlin – Hannover den ersten Tabellenplatz vor den Play-offs noch abnehmen kann.

Die Eisbären haben der Konkurrenz eben einiges voraus: das durch die vielen Erfolge gewachsene Selbstbewusstsein und eine dies bedingende Kontinuität. Während andernorts nach einer schlechten Saison ganze Mannschaften ausgetauscht werden, haben die Berliner seit Jahren ein Team aufgebaut, in dem es keine Söldnermentalität gibt. Stars wie Steve Walker, Denis Pederson, Sven Felski oder Stefan Ustorf sind gefühlte Jahrzehnte im Team. Um sie herum ist eine Mannschaft mit vielen guten jungen deutschen Spielern gewachsen, die auch Verantwortung übernehmen können. Die drei Tore des jungen Verteidigers Constantin Braun beim Spiel in Hannover waren wieder einmal ein Beleg dafür.

Interessant ist, dass kaum ein anderer Klub der DEL versucht, das Berliner Modell zu kopieren. Nachwuchsförderung ist fast überall lästiges Beiwerk, langfristige Planungen sind weniger interessant als der Tabellenstand am nächsten Wochenende. Selbst bei den Hamburg Freezers, wie die Eisbären der Anschutz-Gruppe gehörend, wird seit Jahren mit einem so großen Etat wie in Berlin hoffnungslos herumgehampelt und nicht in die Zukunft investiert. Hans Zach ist einer der wenigen Trainer in der Liga, der seit ein paar Jahren versucht, sein Team kontinuierlich aufzubauen. Nicht zu Unrecht durften die Scorpions in dieser Saison die Eisbären auch mit ihren drei Siegen in den ersten drei Spielen gegen die Berliner ein wenig ärgern.

Nach dem vierten Saisonspiel gegen die Eisbären weiß Zach aber vermutlich, dass seine Mannschaft die Eisbären in der Endrunde um die Meisterschaft kaum wird ärgern dürfen. Als sein Berliner Kollege Don Jackson nach dem Spiel in Hannover sagte: „Ich hoffe, dass wir uns in den Play-offs wiedersehen“, starrte Zach mit zweifelndem Blick in die Luft. Seine Mimik ließ sich mühelos mit: „Hoffentlich kommen wir überhaupt so weit!“ interpretieren. Ein Wiedersehen von Scorpions und Eisbären könnte es nämlich frühestens in der Finalserie um den Titel geben. Wenn es dazu kommen sollte, wüsste Sven Felski übrigens, auf wen er tippen würde: „Auf uns, auf wen sonst?“

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